Wolf Erlbruch
Personenfoto: Wolf Erlbruch

1948 in Wuppertal geboren, studierte ab 1967 Grafik-Design mit zeichnerischem Schwerpunkt an der Folkwang-Schule für Gestaltung in Essen-Werden. Nach dem Abschluss 1974 begann er seine freiberufliche Tätigkeit als Illustrator in der Werbebranche.

In den folgenden Jahren publizierte er zunehmend Illustrationen in internationalen Magazinen, u.a. in: Esquire, GQ magazine New York, Stern, Transatlantic und twen. Er erhielt zahlreiche Preise für Illustration des Art Director Club (ADC) in New York. Ende der 80er Jahre begann er, Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren.

Für Das Bärenwunder erhielt er 1993 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch. Seit 1990 ist er Professor für Illustration. 2006 erhielt er den Hans Christian Andersen-Preis. Wolf Erlbruch lebt in Wuppertal.

Jurybegründung

Der Künstler Wolf Erlbruch hat in den vergangenen 15 Jahren mit seinen Illustrationen im Bereich des Kinder- und Bilderbuches eine herausragende Rolle eingenommen. Seine künstlerische Handschrift und seine individuelle Bildsprache haben der Illustration der 90er Jahre eine unverwechselbare und zugleich stilbildende Gestalt verliehen. Sowohl als gestaltender Künstler selbst, wie auch als Lehrender in Sachen Kunst hat Wolf Erlbruch visuelle Wegweiser gesetzt. Seine Handschrift wird als "typisch Erlbruch" erkannt und häufig kopiert.

In seinem Bilderbuch Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat schuf er eine Bilderbuchfigur, die innerhalb kürzester Zeit zum Klassiker avancierte und die in ihrer schnörkellosen und respektlosen Charakterzeichnung die Sympathie großer und kleiner Leser gewann. Seine Charaktere bieten sich für Heranwachsende ganz offensichtlich als Identifikationsfiguren an. Das zeigt sich auch bei der Umsetzung seiner Bilderbücher in andere Medien, z.B. in überaus erfolgreiche Kindertheater-Stücke.

Bestechend ist bei Erlbruch die Bildtechnik der Collage, eine Technik, die es ihm erlaubt, auf subtile Weise Abstraktions- und Verfremdungseffekte einzubringen. Er verwendet Zeichengeräte, wie z.B. Pinsel, Feder und Kreide, auf Papieren verschiedener Herkunft und Beschaffenheit. Gleich, ob es sich um Landkarten oder alte Kanzleibücher, Formelsammlungen oder japanische Buntpapiere handelt: Erlbruch spielt mit seinem Bildmaterial, indem er es als grafisches Element und zugleich als verfremdenden Akzent begreift. Verstärkt wird diese Wirkung durch Zitate aus der Kunstgeschichte, die er mit leichter Hand einstreut. Auf der eindimensionalen Ebene des Papiers entstehen Erlbruchs Räume nicht durch perspektivisches Zeichnen allein, sondern durch spannungsvoll nebeneinander inszenierte Linien und Flächen, durch Freiräume, Perspektivenwechsel und gewagte Anschnitte. Seine gut komponierten szenischen Abläufe fordern ein Denken in Text und Bild heraus, der dramaturgische Spannungsbogen wird perfekt gespannt. Immer bleiben Offenheit und Mehrdeutigkeit gewahrt, die dem Betrachter individuelle Deutungsansätze ermöglichen. Vor allem in den späteren Büchern tritt auch die Schrift als grafisches Gestaltungselement im Bild hervor (z.B. in Das Hexen-Einmal-Eins).

Erlbruch bewegt sich mit seinen Bildern zwar vielfach in der traditionellen Figurenwelt des Bilderbuchs, zwischen Hasen, Bären und Hunden, aber er gibt diesen eine unverwechselbar individuelle, etwas sperrige und kantige Gestalt, die sich in kein kindertümelndes Schema einfügt. Der Auftritt seiner skurrilen, schrägen Figuren mit ihren expressiven und prägnanten Zügen spricht Kinder und Erwachsene an. Seine Bildästhetik lässt sich bewusst nicht durch eine "Zielgruppe" einengen.

Wolf Erlbruchs Kinder- und Bilderbücher sind deshalb in ihrer künstlerisch-ästhetischen und inhaltlichen Form in den 90er Jahren wegweisend geworden. Vor allem seine Bilderbücher haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich der traditionelle Bilderbuchmarkt einer Öffnung gegenüber Einflüssen moderner Kunst sowie neuen medialen Erzählformen nicht länger verschließen konnte.

Sonderpreisjury 2003
Dr. Claudia Blei-Hoch
Dr. Andreas Bode
Renate Raecke

Auszeichnung des Jugendliteraturpreises

Bücher

Bibliografie

James Aggrey (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Der Adler der nicht fliegen wollte
(Peter Hammer Verlag 1985)

Werner Holzwarth (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Vom kleinen Maufwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat
(Peter Hammer Verlag 1990)

Die fürchterlichen Fünf
(Peter Hammer Verlag 1990)

Leonard
(Peter Hammer Verlag 1991)

Das Bärenwunder
(Peter Hammer Verlag 1992)

John Saxby (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Die Abenteuer von Eduard Speck
(Hanser Verlag 1993)

Ratten
(in der Reihe "Die tollen Hefte", Maro Verlag 1993)

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 1994
(Peter Hammer Verlag 1993)

Rafik Schami (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Das ist doch kein Papagei
(Hanser Verlag 1994)

Gioconda Belli (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Die Werkstatt der Schmetterlinge
(Peter Hammer Verlag 1994)

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 1995
(Peter Hammer Verlag 1994)

Frau Meier, die Amsel
(Peter Hammer Verlag 1995)

Zehn grüne Heringe
(Hanser Verlag 1995)

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 1996
(Peter Hammer Verlag 1995)

Thomas Winding (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Mein kleiner Hund Mister
(Carlsen Verlag 1996)

Valérie Dayre (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
L'ogresse en pleurs
(Edition Milan, Toulouse, 1996)

Valérie Dayre (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Die Menschenfresserin
(Peter Hammer Verlag 1996)

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerzirkuskalender 1997
(Peter Hammer Verlag 1996)

Wolf Erlbruchs Kinderzimmeralphabetkalender 1998
(Peter Hammer Verlag 1997)

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 1999
(Peter Hammer Verlag 1998)

Mein kleiner Hund Mister in der Nacht

(Carlsen Verlag 1998)

Neue Abenteuer von Eduard Speck
(Hanser Verlag 1998)

Mirjam Pressler & Yaakov Shabtai (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Die wundersame Reise des kleinen Kröterichs
(Hanser Verlag 1998)

Johann W. von Goethe (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Das Hexeneinmaleins
(Hanser Verlag 1998)

Dolf Verroen (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
De beer in de speeltuin
(Uitgiverij Leopold, Amsterdam 1998)

Dolf Verroen (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Der Bär auf dem Spielplatz
(Beltz & Gelberg, 1998)

Carli Biessels (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Twee druppels water
(Uitgiverij Leopold, Amsterdam 1998)

MC Graeff (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Engel und anderes Geflügel
(Rowohlt Taschenbuch Verlag 1998)

Hermann Schulz (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Auf dem Strom
(Carlsen Verlag 1998)

Nachts
(Peter Hammer Verlag 1999)

Karl Philipp Moritz (Text) / Wolf Erlbruch (Illustrationen)
Neues ABC Buch
(Verlag Antje Kunstmann, 2000)

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