moodbar image © Bianca Weimer / Charlotte Krusche / Carla Deiters / Paola Caputo

Die Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2010, die Kranichsteiner Kinderliteratur-Stipendien seit 2021 jährlich vom Deutschen Literaturfonds und vom Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben. Sie gehen an Autor:innen von Kinder- und Jugendbüchern, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, sich aber bisher keine starke Marktposition erarbeiten konnten. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ein nächstes Buchprojekt unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen verwirklichen zu können. Sowohl der Deutsche Literaturfonds als auch der AKJ möchten damit die aktuelle deutschsprachige Jugendliteratur fördern und unterstützen. Insgesamt haben bislang 22 deutschsprachige Autor:innen von den Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien mit einer Gesamtfördersumme von 264.000 Euro profitiert.
 

Neuerungen anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Stipendien

2021 wurde die Anzahl der bewährten Stipendien erhöht. Analog zu den zwei Jugendliteratur-Stipendien wurden zwei zusätzliche Kinderliteratur-Stipendien etabliert. Alle Stipendien sind von sechsmonatiger Dauer und seit 2021 jeweils mit 18.000 Euro (bisher 12.000 Euro) dotiert. Jährlich stehen somit 72.000 Euro für die Förderung deutschsprachiger Autor:innen zur Verfügung.

 

Auswahlverfahren

MEHR

Das Auswahlverfahren ist an den Deutschen Jugendliteraturpreis angebunden. Eine Bewerbung um ein Stipendium erfolgt automatisch durch die Einreichung eines deutschsprachigen Kinder- bzw. Jugendbuchs für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Die Einreichfrist beginnt Anfang Juli und endet jährlich Ende September.

Alle deutschsprachigen Originalausgaben der Sparten Kinderbuch und Jugendbuch werden von einer unabhängigen Jury geprüft. Übersetzungen sowie Einreichungen in anderen Sparten finden keine Berücksichtigung. Ausschlaggebend für die Vergabe der Stipendien-Preise ist allein die literarische Qualität der zu prüfenden Kinder- und Jugendbücher. Die Entscheidung für die Stipendiat:innen fällt unabhängig davon, ob die Autor:innen für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind.


Jury 2022

Der Jury zu den Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien 2022 gehören an: Christine Knödler (Freie Journalistin), Ralf Schweikart (AKJ-Vorsitzender) und Prof. Dr. Karin Vach (Vorsitzende der Kritikerjury 2022).
  
Informationen zum Deutschen Literaturfonds, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird, finden Sie unter www.deutscher-literaturfonds.de 

Video-Präsentation der diesjährigen Stipendiatinnen

 

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur und der Deutsche Literaturfonds präsentieren die diesjährigen Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendiatinnen. 

Die glücklichen Gewinnerinnen der Kinderliteratur-Stipendien sind Rebecca Elbs und Lisa Krusche. Juliane Pickel und Eva Rottmann erhalten die beiden Jugendliteratur-Stipendien. Im Video sprechen sie mit den Juror:innen Christine Knödler, Ralf Schweikart und Prof. Dr. Karin Vach über ihre ausgezeichneten Werke.

>> Weitere Informationen finden Sie im Faltblatt (PDF-Download)

Die Stipendiatinnen 2022

Rebecca Elbs
© Bianca Weimer / Carlsen Verlag

Rebecca Elbs

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium 2022 für ihr Kinderbuch Leo und Lucy. Die Sache mit dem dritten L (Carlsen)

Rebecca Elbs studierte Englisch und Deutsch auf Lehramt und unterrichtete an Brennpunktschulen. Heute arbeitet sie für Experiment e.V., eine gemeinnützige Austauschorganisation, die sich auf den internationalen Austausch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen spezialisiert hat. Sie lebt und schreibt in Bonn. Leo und Lucy ist ihr erster Roman für Kinder.

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Leo und Lucy. Die Sache mit dem dritten L
Julia Christians (Ill.)
Carlsen Verlag
ISBN: 978-3-551-55520-5
€ 14,00 (D), € 14,40 (A)
284 Seiten


Jurybegründung

Im L steckt viel drin: Leo und Lucy (beste Freunde), Lesen (was Leo nicht kann), Laufen (was Lucy nicht kann), Legasthenie, Lachen, Launen, Listen, Liebe natürlich und jede Menge Leben – nur das eine nicht: Langeweile. MEHR

Denn Rebecca Elbs hat ihrem Debüt einen fliegenden Thementeppich zugrunde gelegt, auf dem zusätzlich eine reichlich abwesende Mutter, ein verschwundener Vater, ein mieser Pauker, Klassen(zimmer)kämpfe, Inklusion sowie Prekariat Platz haben, außerdem unerfüllte Wünsche, gelegentlich Verzweiflung und stets hochfliegende Phantasie. Die führt sogar bis ins All: Leo ist sich sicher, dass sein Vater Astronaut ist und darum in anderen Sphären unterwegs. Und so eröffnet die Autorin lässig einen Spielraum nach dem anderen, drinnen und draußen, in der Schule, auf der Straße beim Skaten – das ist Leos Leidenschaft. Im Zentrum: eine große Kinderfreundschaft und ein noch größeres Ziel. Ausgerechnet beim Lesewettbewerb will Leo antreten, um doch noch sein Traum- Skateboard zu gewinnen. Lucy übt mit ihm (auf dem Friedhof), auch Gabriel, als ‚Fetti“ verspottet, hilft. Er wird das dritte L. Die Lehre: So geht lustvolles Erzählen, so geht literarische Unterhaltung mit Anliegen für Kinder.

Lisa Krusche
© Charlotte Krusche / Beltz & Gelberg

Lisa Krusche

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteraturstipendium 2022 für ihr Kinderbuch Das Universum ist verdammt groß und supermystisch (Beltz & Gelberg)
 

Lisa Krusche, geboren 1990, studierte Germanistik und Kunstwissenschaft und Literarisches Schreiben. Sie arbeitet als Schriftstellerin und Journalistin und lebt in Braunschweig. Das Universum ist verdammt groß und supermystisch ist ihr erstes Kinderbuch.

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Das Universum ist verdammt groß und supermystisch
Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-75600-8
€ 13,00 (D), € 13,40 (A)
191 Seiten

Jurybegründung

Vom Suchen und Finden, vom Miteinander der Generationen, von der Freundschaft und vom ungewöhnlichsten Haustier der Kinderliteratur, das ja eigentlich bloß eine Pflanze ist, handelt Lisa Krusches Kinderroman.

MEHR

Ja, das Universum ist verdammt groß, und passt doch zwischen zwei Buchdeckel. Und in diesem Universum bricht Gustav mit dem Mädchen Charles, seinem Opa Joseph und Agatha, der Wasserpflanze, auf, um seinen ihm unbekannten Vater zu finden. Der früher im gleichen Zirkus wie sein Opa gearbeitet hat und dann fast spurlos verschwunden ist. So führt sie ihre abenteuerliche Reise von einem Artistenruheständler zum nächsten, bis zu einer heißen Spur in Istanbul. Und super mystisch? Wird es in den pointierten Dialogen, den nachdenklichen Momenten, der Nähe und Intimität, die die Figuren im Laufe ihrer Reise voreinander zulassen. Lisa Krusche ist eines der größten Versprechen in der aktuellen Kinder-, aber auch Jugendliteratur. Dank ihres unverbrauchten und frischen, durch ihre aktuellen Medienerfahrungen geprägten Tons, setzt sie schon in diesem Kinderbuch ihre nachklingenden sprachlichen Glanzpunkte.

Juliane Pickel
© Carla Deiters / Beltz & Gelberg

Juliane Pickel

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium 2022 für ihr Jugendbuch Krummer Hund (Beltz & Gelberg)
 

Juliane Pickel, geboren 1971, studierte Erziehungswissenschaften in Münster und Hamburg und arbeitet in der Online-Redaktion des NDR. Sie lebt und schreibt in Hamburg. Krummer Hund ist ihr erster Roman.

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Krummer Hund
Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-75875-0
€ 14,95 (D), € 15,40 (A)
258 Seiten

Jurybegründung

"Hundemörder" heißt das erste Kapitel. Es ist ein Aufschlag. Mittenrein. Auch Daniel, 15, schlägt zu. Seine Wut schlägt um in Zerstörungswut. Ihr Sohn soll sich zusammenreißen, MEHR

findet Daniels Mutter, doch den reißt es auseinander.Gründe dafür gibt es genug. Der Vater ist weg, die letzte Verbindung zu ihm wird gekappt, als der Doc Daniels Hund einschläfert und sich mit Daniels Mutter einlässt. Es ist ein brillanter Tanz auf dem Pulverfass, den Juliane Pickel in ihrem Debüt entwickelt: Daniel kann jederzeit explodieren. Leben kann jederzeit um die Ohren fliegen. Menschen können verschwinden. Und nie sind sie so, wie sie scheinen. Auch Daniels bester Freund und die böse Eiskönigin der Klasse nicht. Als deren Bruder überfahren wird und stirbt, werden Fragen nach Schuld, Verantwortung, Vertrauen noch lauter. Schlag auf Schlag, Satz auf Satz geht Juliane Pickel dahin, wo es weh tut. Erfahrungen, Emotionen, Wahrnehmung leuchtet sie in ihrer Widersprüchlichkeit aus. Lotet sie aus. Präzise, anspielungsreich. Sprachgewaltig. Wortwitzig. Voller Respekt und abgrundtiefer Ehrlichkeit. Wo der Hund begraben liegt, wer warum auf den Hund gekommen, wer ein "Krummer Hund" ist? Es sind Rede-Wendungen hin zum Leben.

Eva Rottmann
© Paola Caputo / Jacoby & Stuart

Eva Rottmann

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium 2022 für ihr Jugendbuch Mats & Milad oder: Nachrichten vom Arsch der Welt (Jacoby & Stuart)

Eva Rottmann, geboren 1983, lebt in Zürich, schreibt Theaterstücke und Prosa, arbeitet als Literaturvermittlerin in Schulklassen und als Lehrbeauftragte an der Zürcher Hochschule der Künste. Mats & Milad ist ihr Jugendbuchdebüt.

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Mats & Milad oder: Nachrichten vom Arsch der Welt
Jacoby & Stuart
ISBN: 978-3-96428-096-1
€ 16,00 (D), € 16,50 (A)
233 Seiten

Jurybegründung

Wenn man schon von Berlin an den Arsch der Welt ziehen muss, dann sollte zumindest der Start am neuen Wohnort gelingen. Aber nichts läuft normal bei Mathilda, die sich Mats nennt. MEHR

Statt eine coole Vorstellung hinzulegen, wird sie dabei erwischt, wie sie aus dem Gebüs ch die Dorfschönheit und einen Typen beim Pinkeln beobachtet. Klar, dass sie ihren Platz in der Clique bereits verspielt hat, bevor sie richtig angekommen ist. Dass die Verwicklungen doch für etwas gut sein können, merkt Mats, als sie auf Milad trifft. Er ist ganz anders, mit ihm kann sie lachen, heulen, reden. Es könnte alles schön sein, wenn die erste Liebe nicht so kompliziert wäre. Doch Mats und Milad wachsen über sich hinaus und lernen zueinander zu stehen – allen Schwierigkeiten zum Trotz. Die Geschichte beginnt rasant und hält das Tempo bis zuletzt. Die selbstironische Sprache der Ich-Erzählerin und ihre genauen Beobachtungen mit Sinn für Situationskomik fügen sich vom ersten Satz an zu einer mi treißenden Geschichte, welche die Heranwachsenden und ihre Probleme ernstnimmt. Angereichert mit aktuellen gesellschaftlichen Themen bietet dieser Jugendroman viele Denkanstöße. Ein erzählerisch überzeugendes Debüt.

Bisherige Stipendiat:innen

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