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Übersetzerwerkstatt "Kein Kinderspiel!"

Kinder- und Jugendbücher öffnen die Tür in die Welt des Lesens und erweitern den Horizont der jungen Leser in kultureller und sprachlicher Hinsicht. In diesem Vermittlungsprozess über Sprachgrenzen hinweg kommt Übersetzern eine wesentliche Rolle zu.

Seit 2010 veranstaltet der Arbeitskreis für Jugendliteratur jährlich die internationale Übersetzerwerkstatt "Kein Kinderspiel!". Diese wendet sich an professionell arbeitende Übersetzerinnen und Übersetzer aus aller Welt, die Kinder- und Jugendliteratur aus dem Deutschen in ihre jeweilige Muttersprache übertragen. Ziel ist es mittelfristig, das Übersetzungsvolumen deutschsprachiger Kinder- und Jugendliteratur, insbesondere in "kleinere Sprachen", zu steigern.MEHR

Gerade das Übersetzen von Kinder- und Jugendliteratur unterliegt speziellen Rahmenbedingungen: Neben der literarischen Qualität muss sich das Genre am vorherrschenden Kindheitsbild, an Erziehungsidealen und den Vorstellungen vom Kindgemäßen messen lassen.

Übersetzer von Kinder- und Jugendliteratur befinden sich also im Spannungsfeld zwischen Texttreue, gesellschaftlichen Anforderungen und der Verständlichkeit für eine junge Zielgruppe. Es liegt in ihrer Hand, wie ein Text in der Zielsprache transportiert, wie er wahrgenommen und rezipiert wird. Eine große Verantwortung, die nicht nur hervorragende Sprachkenntnisse in der Herkunfts- und in der Zielsprache voraussetzt, sondern auch ein profundes Wissen über die entsprechenden Kulturräume. Nicht selten unterliegen Übersetzungen massiven Anpassungen an eine Zielkultur oder sind sogar der Zensur ausgesetzt. Bei "Kein Kinderspiel!" geht es darum, die Leistung der Übersetzer, die oft im Hintergrund agieren, sichtbar zu machen und zu würdigen. Denn:

Übersetzer sind Brückenbauer

Gerade für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, über Geschichten aus anderen Ländern Zugang zu fremden Welten zu bekommen, verschiedene Kulturen kennenzulernen und sie in Beziehung zu setzen zur eigenen Lebenswelt. Mit Literatur erwerben Kinder Weltwissen, entwickeln Weltoffenheit und Neugier. Das ist nicht nur ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch die Grundlage für ein faires und friedliches Zusammenleben in einer pluralen und globalisierten Gesellschaft.


Übersetzer sind Wegbereiter

Übersetzer kennen die Jugendbuchszene ihrer Zielsprache und haben gleichermaßen den Buchmarkt ihrer Ausgangssprache im Blick. Mit literarischem Feingefühl identifizieren sie Bücher, die für eine Übersetzung in Frage kommen oder erstellen Gutachten bzw. Probeübersetzungen dazu. Übersetzer sind Anwälte des Originals und der Intention des Autors verpflichtet, aber auch der jungen Zielgruppe ihres Landes. In einem sensiblen Balanceakt ringen sie um Übersetzungslösungen, die beiden Anforderungen gerecht werden.


Übersetzen ist keine Einbahnstraße

Jährlich erscheinen in Deutschland rund 9.000 Kinder- und Jugendbücher, davon sind ca. 20% Übersetzungen aus anderen Sprachen. Von den deutschen Originalausgaben werden knapp ein Drittel als Lizenzen in andere Länder verkauft. Das von dem Literaturtheoretiker Paul Hazard 1932 postulierte ausgewogene „Geben und Nehmen“ allerdings bleibt Utopie. Weltweit dominieren bei den Übersetzungen aus anderen Sprachen Bücher aus den USA und Nordwesteuropa. (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Buch und Buchhandel in Zahlen 2019)


Das Anliegen der Werkstatt "Kein Kinderspiel!" ist es daher

  • die Kunst des Übersetzens und die Rolle der Übersetzer als Mittler zwischen den Kulturen stärker sichtbar zu machen,
  • zum Austausch und zur Vernetzung zwischen Übersetzern sowie zur Völkerverständigung beizutragen,
  • auch "kleinere Sprachen" und weniger nahe liegende Literaturen in den Blick zu nehmen und
  • Übersetzungsvorhaben aus dem Deutschen anzuregen.

­Bis zu 15 Teilnehmer sind eingeladen, sich fünf Tage lang im Elsa Brändström Haus in Hamburg mit den aktuellen Tendenzen der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur und den spezifischen Übersetzungsherausforderungen dieses Genres auseinanderzusetzen. Intensive Textarbeit wird ergänzt durch Lesungen, Vorträge und Exkursionen. Darüber hinaus bietet "Kein Kinderspiel!" Gelegenheit zu Begegnung, Austausch und Inspiration.

Die Bewerbungsunterlagen werden im Zuge der jährlichen Ausschreibung veröffentlicht. Die für August 2020 geplante Übersetzerwerkstatt wird Corona-bedingt leider nicht ausgeschrieben.

"Kein Kinderspiel!" wird gefördert von TOLEDO, einem Programm des Deutschen Übersetzerfonds gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

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