Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2010 jährlich vom Deutschen Literaturfonds und vom Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben. Sie gehen an Autoren und Autorinnen von Jugendbüchern, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, sich aber bisher keine starke Marktposition erarbeiten konnten. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ein nächstes Buchprojekt unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen verwirklichen zu können. Zwei Preisträger erhalten ein jeweils sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 Euro. Sowohl der Deutsche Literaturfonds als auch der AKJ möchten damit die aktuelle deutschsprachige Jugendliteratur fördern und unterstützen. Insgesamt haben bislang 22 deutschsprachige Autorinnen und Autoren von den Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien mit einer Gesamtfördersumme von 264.000 Euro profitiert.
 

Neuerungen anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Stipendien

Ab 2021 wird die Anzahl der bewährten Stipendien nun erhöht. Der Deutsche Literaturfonds und der Arbeitskreis für Jugendliteratur werden ihre Kooperation im nächsten Jahr auf die Sparte Kinderbuch ausweiten. Analog zu den Jugendliteratur-Stipendien sollen zwei zusätzliche Kinderliteratur-Stipendien etabliert werden. Alle Stipendien sind von sechsmonatiger Dauer und ab 2021 jeweils mit 18.000 Euro (bisher 12.000 Euro) dotiert. Jährlich stehen somit 72.000 Euro für die Förderung deutschsprachiger Autorinnen und Autoren zur Verfügung.


Auswahlverfahren
Das Auswahlverfahren ist an den Deutschen Jugendliteraturpreis angebunden. Eine Bewerbung um ein Stipendium erfolgt automatisch durch die Einreichung eines deutschsprachigen Kinder- bzw. Jugendbuchs für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Die Einreichfrist endet jährlich Ende September.

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Alle deutschsprachigen Originalausgaben der Sparten Kinderbuch und Jugendbuch werden von einer unabhängigen Jury geprüft. Übersetzungen sowie Einreichungen in anderen Sparten finden keine Berücksichtigung. Ausschlaggebend für die Vergabe der Stipendien-Preise ist allein die literarische Qualität der zu prüfenden Kinder- und Jugendbücher. Die Entscheidung für die Stipendiaten fällt unabhängig davon, ob die Autoren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind.


Jury 2020
Der Jury zu den Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2020 gehören an: Christine Knödler (Freie Journalistin), Ralf Schweikart (AKJ-Vorsitzender) und Prof. Dr. Jan Standke (Vorsitzender der Kritikerjury 2020).
  
Informationen zum Deutschen Literaturfonds, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird, finden Sie unter www.deutscher-literaturfonds.de 

Die Stipendiatinnen 2020

Kristin Höller
© Heike Steinweg / Suhrkamp

Kristin Höller

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2020 für ihren Roman Schöner als überall (Suhrkamp)

 

Kristin Höller studiert seit 2015 Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften in Dresden. Seit Oktober 2017 ist sie Mitveranstalterin von OstKap, der Dresdner Lesereihe für junge Literatur. Schöner als überall ist ihr erster Roman.

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Schöner als überall
Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-518-46995-8
€ 18,00 (D), € 18,50 (A)
219 Seiten
 

Jurybegründung

Es gibt Sätze, die stehen als Lebensweisheiten unhinterfragt in der Welt herum. „Am Ende ist man allein“, ist ein solcher Satz. Bis Kristin Höller sich seiner annimmt.
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In Folge demontiert Martins Sandkastenkumpel Noah auf dem Münchner Königsplatz die bronzene Athene, sie brausen im Auto durch die Nacht, mit Athenes Speer im Gepäck. Der muss weg. Sie landen in der Kleinstadt, in der sie groß geworden sind, treffen alte Freunde an alten Orten ihres alten Lebens, aus dem sie herausgewachsen sind wie aus alten Kleidern: Überall ist es schöner.
Jetzt jobbt Martins erste große Liebe an der Tankstelle am Ortsausgang. Weit ist die ansteckende Aufbrecherin in die Welt nicht gekommen. Denn Kristin Höller lässt Erwartung los auf Enttäuschung, Träume auf Gewöhnung, Leben auf Lebenslüge. Präzise beobachtet, mit großem Gespür für adäquate Situationen und Sprachbilder macht sie aushaltbar, dass vieles nebeneinander gilt. Das ist schmerzhaft, witzig, weise und voller Zärtlichkeit: Schöner als überall. Nicht unbedingt ein Jugendbuch, aber unbedingt für Jugendliche, erzählt es von einem Sommer voller Abschiede, auch dem von der Kindheit. Am Ende allein, ist da ein großer Anfang. Ein erstaunliches Debüt.

Dita Zipfel
© Dawn Stoloff / Hanser

Dita Zipfel

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2020 für ihr Jugendbuchdebüt Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte (Hanser)

 

Dita Zipfel lebt mit ihrer Familie im Süden Frankreichs und im Norden Deutschlands. Sie schreibt Bilderbücher, Theaterstücke, Drehbücher und mit Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte ihr Jugendbuchdebüt.

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Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte
Hanser
ISBN: 978-3-446-26444-1
€ 15,00 (D), € 15,50 (A)
208 Seiten
 

Jurybegründung
Manche Geschichten gewinnen mit den ersten Sätzen, weil sie souverän und lustvoll mit Erwartungen brechen, mit Geschlechter-Stereotypen etwa, oder mit dem, was erlaubt ist in der Literatur für junge Leserinnen und Leser.
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Verboten ist, dass ein sehr resolutes Mädchen bei einem alten, pardon, bei einem verrückten alten Mann, Herrn Klinge, klingelt, um mit dem Hund Gassi zu gehen – Dita Zipfel fängt damit an. Ihre Protagonistin Lucie will zur Ex-Freundin ihrer Mutter nach Berlin ziehen, weil Mamas neuer Freund eine so unglaubliche Nervensäge ist. Auch sonst geht Lucies Leben mehr drunter als drüber. Ihr Bruder stinkt, die anderen Mädchen verblöden schneller als man gucken kann, sie selbst ver-guckt sich und verrennt sich in der Liebe: Der Wahnsinn regiert. Zu dem gehört auch, dass Klinge ihr ein Kochbuch diktiert für Rezepte mit Zauberkraft und Aalivenoil. Alles klar? Nö, wieso! Das ist ja der Witz – und wortwitzig, sprachspielerisch, pointen- und temporeich ist das. Dialogstark verhandelt die Autorin, die bisher fürs Theater geschrieben hat, en passant wesentliche Themen: Was normal, wirklich, wunderlich, wundervoll ist, was Wörter vermögen und wie Taten folgen. Ein kühnes Debüt.

Ausschreibung Stipendiatinnen-Tour 2020

Zum 10-jährigen Jubiläum der Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien gehen die Stipendiatinnen von September bis Dezember mit je drei Lesungen auf Deutschlandtour. Die Veranstaltungen richten sich an Jugendliche mit unterschiedlichen Bildungshintergründen. Interessierte Institutionen, Schulen, Buchhandlungen oder Bibliotheken konnten sich bis zum 18. Mai 2020 für einen solchen Termin bewerben. Die Auswahl der Stationen liegt beim Arbeitskreis für Jugendliteratur, gefördert wird die Tour vom Deutschen Literaturfonds.

Kontakt: Arbeitskreis für Jugendliteratur, Evi Nagler, nagler@jugendliteratur.org, (089) 45 80 80 82.

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Bisherige Stipendiaten

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