Die Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien
Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2010, die Kranichsteiner Kinderliteratur-Stipendien seit 2021 jährlich vom Deutschen Literaturfonds und vom Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben. Sie gehen an Autor:innen von Kinder- und Jugendbüchern, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, sich aber bisher keine starke Marktposition erarbeiten konnten. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ein nächstes Buchprojekt unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen verwirklichen zu können. Sowohl der Deutsche Literaturfonds als auch der AKJ möchten damit die aktuelle deutschsprachige Jugendliteratur fördern und unterstützen. Insgesamt haben bislang 42 deutschsprachige Autor:innen von den Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien mit einer Gesamtfördersumme von 624.000 Euro profitiert.
MEHR
Neuerungen anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Stipendien
2021 wurde die Anzahl der bewährten Stipendien erhöht. Analog zu den zwei Jugendliteratur-Stipendien wurden zwei zusätzliche Kinderliteratur-Stipendien etabliert. Alle Stipendien sind von sechsmonatiger Dauer und seit 2021 jeweils mit 18.000 Euro (bisher 12.000 Euro) dotiert. Jährlich stehen somit 72.000 Euro für die Förderung deutschsprachiger Autor:innen zur Verfügung.
Auswahlverfahren
Eine Bewerbung um ein Stipendium erfolgt automatisch durch die Einreichung eines deutschsprachigen Kinder- bzw. Jugendbuchs für den Deutschen Jugendliteraturpreis, an den das Auswahlverfahren angebunden ist. Die Einreichfrist beginnt Anfang Juli und endet jährlich Ende September.
Alle deutschsprachigen Originalausgaben der Sparten Kinderbuch und Jugendbuch werden von einer unabhängigen Jury geprüft. Ausschlaggebend für die Vergabe der Stipendien-Preise ist allein die literarische Qualität der zu prüfenden Kinder- und Jugendbücher. Die Entscheidung für die Stipendiat:innen fällt unabhängig davon, ob die Autor:innen für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind.
Jury 2026
Die Stipendiatinnen 2026
Das Faltblatt mit allen Informationen zu den Stipendien, Preisträgerinnen und den Begründungen der Jury können Sie hier herunterladen:
Ayşe Klinge
Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinderliteratur-Stipendium 2026 für ihren Roman Der Zahn (Kibitz)
Ayşe Klinge, geboren 1990, studierte Bühnen- und Kostümbild in Berlin und Illustration in Hamburg. Seitdem gestaltet sie Kinder- und Sachbücher sowie Comic-Kurzgeschichten. Dabei ist ihre Arbeit eng verknüpft mit ihrem Engagement gegen Rassismus. Der Zahn ist ihr erster Langcomic.
Der Zahn
Kibitz 2025
ISBN: 978-3-948690-36-6
€ 26,00 (D)
224 Seiten
Jurybegründung
„Freu dich einfach über deine Fähigkeiten“, empfiehlt Karlas Opa. Das aber fällt der jungen Protagonistin alles andere als leicht. Karla ist ein Vampirmädchen, das in eine Menschenschule geht. Die dort gelebten Freundschaften bedeuten ihr viel. Allen voranMEHR
die neu aufkeimende Freundschaft zu Mila, einer Außenseiterin mit ausgeprägter Angst vor – ausgerechnet! – Vampiren. Dass Karla zu einer traditionsverbundenen Vampirgemeinschaft gehört, weiß niemand. Es geheim zu halten, wird zur handlungstreibenden Herausforderung. Erst beginnen Karla die Fangzähne zu wachsen, dann sichten ihre Freundinnen und Freunde einen fliegenden Vampir. Turbulente Verstrickungen nehmen ihren Verlauf. Münden dürfen sie in eine tief empfundene Freundschaft zwischen Karla und Mila, die es schaffen, Ängste, Vorurteile und Ausgrenzung ebenso zu überwinden wie starre Traditionen. Indem die sozial „Anderen“ im Comicroman Vampire sind, gelingt ein Diversität thematisierendes Erzählen, das sehr fein die Möglichkeiten des Phantastischen nutzt. An pointierte Sprechtexte und dynamische Zeichnungen bindet sich viel Skurriles und Witziges, das Ayşe Klinge gekonnt verschmelzen lässt mit gesellschaftlichen Themen, die die Kinderliteratur genau so braucht.
Anna Maria Praßler
Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinderliteratur-Stipendium 2026 für ihren Roman Keine Party ist auch keine Lösung (Klett Kinderbuch)
Anna Maria Praßler, geboren 1983, lebt in Berlin. Sie studierte Film- und Theaterwissenschaft, Psychologie und Drehbuch. Heute schreibt sie sowohl Drehbücher als auch Prosa. Ihren ersten Kinderroman Hinterhoftage (Klett Kinderbuch) veröffentlichte sie 2021.
Keine Party ist auch keine Lösung
Theresa Strozyk (Illustration)
Klett Kinderbuch 2025
ISBN: 978-3-95470-311-1
€ 16,00 (D)
168 Seiten
Jurybegründung
Die Fragen „Wie?“, „Wo?“ und „Womit?“ sind offen, als Ich-Erzählerin Jagoda ihre Mitschülerin Mia zur Feier ihres zehnten Geburtstags einlädt. Auf der „besten Party ever“ soll das nette Mädchen aus der neuen Schule ihre Freundin MEHR
Basma Hallak
Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2026 für ihren Roman
Please unfollow (Arctis)
Basma Hallak wurde 1996 als Tochter palästinensischer Eltern in Berlin geboren, wo sie Bibliotheks- und Informationsmanagement studierte. Ihr erster Roman Between My Worlds (Droemer Knaur) erschien 2024. Darüber hinaus ist sie als Buch-Bloggerin aktiv.
Please unfollow
Arctis 2025
ISBN: 978-3-03880-223-5
€ 19,00 (D)
416 Seiten
Jurybegründung
Familienvlogs, For-You-Feeds – digitales Grundrauschen. Für die 17-jährige Sherry ist das kein Entertainment,
sondern Leben unter Dauerbeobachtung: Als Kind der YouTube-Familie „Die Whites“ wird ihre Kindheit vermarktet –MEHR
Sharenting als Geschäftsmodell.
Nach einem Zusammenbruch und einer Straftat, deren Auslöser lange offenbleibt, landet Sherry in einem Resozialisierungsprogramm. Doch selbst dort verfolgt sie das Echo ihres nie privaten Lebens. Zwischen Scham und Wut, Trotz und Sehnsucht nach Ruhe ringt sie mit der Frage, wem ihr Körper, ihre Geschichte, ihr Bild gehören.
Basma Hallak verdichtet diese Übergriffigkeit souverän zu einer Erzählung, die sich mühelos liest und dennoch weh tut, weil sie so nah an der Realität bleibt. Klare Sprache und ein genauer Blick für Zwischentöne balancieren Härte und Empathie, statt vorschnell zu urteilen. Mit großer emotionaler Genauigkeit zeigt der Text, wie schwer Selbstbestimmung ist, wenn Sichtbarkeit zur Falle wird – und wie wichtig Freundschaft und verlässliche Begleitung sind, um ein „Ich“ zurückzuerobern. Please unfollow überzeugt durch literarische Stringenz und eine eindringliche,
gegenwartsnahe – bei aller Härte auch mutmachende – Darstellung des Kampfs um Autonomie.
Franziska Hörner
Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2026 für ihren Roman Und mir bleibt der hässliche Hund (Thienemann)
Franziska Hörner, geboren 1993 in Düsseldorf, studierte Englisch sowie Biologie und wurde Elefantenforscherin.
Nebenbei schreibt sie Geschichten für Jugendliche und junge Erwachsene. Und mir bleibt der hässliche Hund ist ihr Debütroman.
Und mir bleibt der hässliche Hund
Thienemann 2025
ISBN: 978-3-522-20401-9
€ 14,00 (D)
256 Seiten
JurybegründungEin Autounfall verändert das Leben von Felix dramatisch: Von seiner Familie ist nur noch Bolt übrig, ein hübschhässlicher Bulldog-Mischling, der seiner kleinen Schwester gehört hat und als einziger den Unfall überlebte.MEHR
Nichts ist mehr, wie es mal war für den Siebzehnjährigen, der sich in seinem Zimmer vergräbt, trauert und versucht, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Dann trifft er Mo im Wartezimmer seiner Therapeutin und es beginnt ein Sommer, der sich fast wieder normal anfühlt – soweit das überhaupt möglich ist. Felix und Mo testen Grenzen aus, verbringen bedingungslos Zeit miteinander und versuchen, ihre Ängste aufzuarbeiten, was nicht immer gelingt. Marie komplettiert mit ihrer positiven und fröhlichen Art das Trio und trotzdem hat jeder der Drei seine eigene Geschichte zu bewältigen.
Franziska Hörner mutet in ihrem Debüt dem Protagonisten und den Leserinnen und Lesern einiges zu, gibt allerdings der Geschichte genug Raum für alles, was sie braucht: Freundschaft, Liebe, Angst, Trauer und Hoffnung. Erzählt aus der Perspektive von Felix, bekommt die Schwere des Erlebten einen direkten, leichten und nie hoffnungslosen Ton. Damit vom Leben mehr übrig bleibt als ein hässlicher Hund.
Bekanntgabe und Gesprächsrunde 2026

Die Bekanntgabe der Kranichsteiner Stipendiat:innen 2026 erfolgte am 10. März 2026 durch eine Pressemitteilung sowie die Homepages des Arbeitskreises für Jugendliteratur und des Deutschen Literaturfonds.
Live zu erleben gibt es die vier Autorinnen am Freitag, dem 20. März 2026, von 14.00 bis 15.00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse (Lesezelt, Halle 3, A 305). Im Gespräch mit Jurymitglied Ines Dettmann erzählen sie von ihrer Arbeit und lesen aus ihren prämierten Werken.
Bisherige Stipendiat:innen
2025 Karen Köhler und Benjamin Tienti (Kinderbuch)
Luca Kieser und Filiz Penzkofer (Jugendbuch)
2024 Mareike Krügel und Andreas Langer (Kinderbuch)
David Blum und Caroline Wahl (Jugendbuch)
2023 Josephine Mark und Werner Rohner (Kinderbuch)
Chantal-Fleur Sandjon und Josefine Sonneson (Jugendbuch)
2022 Rebecca Elbs und Lisa Krusche (Kinderbuch)
Juliane Pickel und Eva Rottmann (Jugendbuch)
2021 Ayşe Bosse und Franz Orghandl (Kinderbuch)
Sarah Jäger und Verena Keßler (Jugendbuch)
2020 Kristin Höller und Dita Zipfel
2019 Stefanie Höfler und Bettina Wilpert
2018 Flurin Jecker und Manja Präkels
2017 Que Du Luu und Michael Sieben
2016 Elisabeth Etz und Kathrin Steinberger
2015 Corinna Antelmann und Martin Kordić
2014 Sarah Michaela Orlovský und Stefanie de Velasco
2013 Susan Kreller und Cornelia Travnicek
2012 Nils Mohl und Marlene Röder
2011 Petra Ivanov und Stephan Knösel
2010 Tobias Elsäßer und Agnes Hammer