Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2010 jährlich vom Deutschen Literaturfonds und vom Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben. Sie gehen an Autoren und Autorinnen von Jugendbüchern, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, sich aber bisher keine starke Marktposition erarbeiten konnten. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ein nächstes Buchprojekt unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen verwirklichen zu können. ZweiPreisträger erhalten ein jeweils sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 Euro. Sowohl der Deutsche Literaturfonds als auch der AKJ möchten damit die aktuelle deutschsprachige Jugendliteratur fördern und unterstützen.

Auswahlverfahren
Das Auswahlverfahren ist an den Deutschen Jugendliteraturpreis angebunden. Eine Bewerbung um ein Stipendium erfolgt automatisch durch die Einreichung eines deutschsprachigen Jugendbuchs für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Die Einreichfrist endet jährlich Ende September.

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Alle deutschsprachigen Originalausgaben der Sparte Jugendbuch werden von einer unabhängigen Jury geprüft. Übersetzungen sowie Einreichungen in anderen Sparten finden keine Berücksichtigung. Ausschlaggebend für die Vergabe der Stipendien-Preise ist allein die literarische Qualität der zu prüfenden Jugendbücher. Die Entscheidung für die Stipendiaten fällt unabhängig davon, ob die Autoren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind.


Jury 2019
Der Jury zu den Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2019 gehören an: Dr. Michael Schmitt (3sat/Kulturzeit), Ralf Schweikart (AKJ-Vorsitzender) und Prof. Dr. Jan Standke (Vorsitzender der Kritikerjury 2019).
  
Informationen zum Deutschen Literaturfonds, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird, finden Sie unter www.deutscher-literaturfonds.de 

Die Stipendiatinnen 2019

Stefanie Höfler
© Christina Neidenbach / Beltz & Gelberg

Stefanie Höfler

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2019 für ihren Roman Der große schwarze Vogel (Beltz & Gelberg)

Sie studierte Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland. Sie arbeitet als Lehrerin und Theaterpädagogin und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort im Schwarzwald.
 

Höfler_Der große schwarze Vogel
Der große schwarze Vogel
Beltz & Gelberg
ISBN 978-3-407-75433-2
€ 13,95 (D), € 14,40 (A)
182 Seiten

Jurybegründung:
"Der unerwartete Tod seiner noch jungen Mutter wirft Ben genauso wie seinen Vater und den kleinen Bruder aus der Bahn. Der Vater versinkt in weitgehend sprachloser Trauer und lässt damit vor allem den 14-jährigen Ben allein, ALLES LESEN
dem das Bild der agilen und lebensfrohen Mutter immer wieder vor Augen steht, als Gesprächspartnerin, die er nicht gehen lassen kann. Aus dieser Konstellation entwickelt Stefanie Höfler in ihrem dritten Roman auf wenigen Seiten ein breit aufgefächertes Bild von Trauer und Verlust und wie damit umgegangen wird. Sie spiegelt die Empfindungen des halbwüchsigen Jungen im Verhalten seines kleinen Bruders Krümel, der mit kindlichen Ritualen viel aktiver die Ablösung von der Verstorbenen betreibt; aber auch der Vergleich mit der Lage der Klassenkameradin Lina ist ein Spiegel von Bens Situation; deren Bruder liegt seit langer Zeit im Koma, was Loslassen und Abschied ebenfalls schwer macht. Sie erfindet ungewöhnliche, oft unscheinbare, aber aussagekräftige Szenen, in denen die Vielschichtigkeit der psychologischen Belastungen nicht erklärt, sondern in Handlung aufgelöst wird. In einem kunstvoll aufgebauten Netz aus mehreren Zeitebenen umkreist der Roman ein düsteres Thema und liest sich doch als ein Buch der Hoffnung."

Bettina Wilpert
© linonono

Bettina Wilpert

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2019 für ihr Debüt nichts, was uns passiert (Verbrecher Verlag)

Bettina Wilpert, geboren 1989, studierte Kulturwissenschaft, Anglistik und Literarisches Schreiben in Potsdam, Berlin und Leipzig. Sie arbeitet als Trainerin für Deutsch als Fremdsprache und lebt in Leipzig.
 

Cover_Wilpert_Nichts was uns passiert

nichts, was uns passiert
Verbrecher Verlag
ISBN: 978-3-95732-307-1
€ 19,00 (D), € 19,60 (A)
168 Seiten


Jurybegründung
"Hat der Doktorand Jonas die Studentin Anna vergewaltigt oder haben sie einvernehmlich miteinander geschlafen? Das ist die Frage, der Bettina Wilpert in ihrem Debütroman nachgeht – und ein Thema, das aktuell in der Jugendliteratur häufiger behandelt wird. ALLES LESEN
Ein nicht näher beschriebenes „Ich“ protokolliert die Aussagen der beiden Hauptfiguren und die von Freunden und Verwandten, stellt Fragen, Antworten, Vermutungen und Gerüchte kleinteilig nebeneinander und formt ein Mosaik, das viel über die unterschiedliche Wahrnehmung einer Situation durch zwei Menschen erzählt, aber auch viel über deren Milieu und über die Möglichkeiten und Grenzen der Justiz. Weder die Aussagen der beiden Protagonisten noch die von Dritten ergeben eine Basis für eine endgültige und unumstößliche Beurteilung. Während das Bild immer detailreicher wird, zerbricht das Leben der beiden unter dem Druck, der auf ihnen lastet. Die bürokratische Klarheit des Protokolls ergibt keine Klarheit über den „wahren“ Ablauf. Aussage steht gegen Aussage, juristisch kann kein Recht gesprochen werden. Der Roman fordert Leserinnen und Leser auf, sich ganz persönlich zu den beiden handelnden Figuren und dem Bild, das von ihnen entsteht, zu verhalten."
 

 

Bisherige Stipendiaten

2018    Flurin Jecker und Manja Präkels

2017    Que Du Luu und Michael Sieben

2016    Elisabeth Etz und Kathrin Steinberger

2015    Corinna Antelmann und Martin Kordić

2014    Sarah Michaela Orlovský und Stefanie de Velasco

2013    Susan Kreller und Cornelia Travnicek

2012    Nils Mohl und Marlene Röder

2011    Petra Ivanov und Stephan Knösel

2010   Tobias Elsäßer und Agnes Hammer

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