moodbar image © Nina Stiller / Theresa Strozyk / Anna-Lisa Konrad / Michael Bader

Die Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2010, die Kranichsteiner Kinderliteratur-Stipendien seit 2021 jährlich vom Deutschen Literaturfonds und vom Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben. Sie gehen an Autoren und Autorinnen von Kinder- und Jugendbüchern, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, sich aber bisher keine starke Marktposition erarbeiten konnten. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ein nächstes Buchprojekt unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen verwirklichen zu können. Sowohl der Deutsche Literaturfonds als auch der AKJ möchten damit die aktuelle deutschsprachige Jugendliteratur fördern und unterstützen. Insgesamt haben bislang 22 deutschsprachige Autorinnen und Autoren von den Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien mit einer Gesamtfördersumme von 264.000 Euro profitiert.
 

Neuerungen anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Stipendien

Ab 2021 wird die Anzahl der bewährten Stipendien erhöht. Analog zu den zwei Jugendliteratur-Stipendien werden zwei zusätzliche Kinderliteratur-Stipendien etabliert. Alle Stipendien sind von sechsmonatiger Dauer und ab 2021 jeweils mit 18.000 Euro (bisher 12.000 Euro) dotiert. Jährlich stehen somit 72.000 Euro für die Förderung deutschsprachiger Autorinnen und Autoren zur Verfügung.

 

Auswahlverfahren

MEHR

Das Auswahlverfahren ist an den Deutschen Jugendliteraturpreis angebunden. Eine Bewerbung um ein Stipendium erfolgt automatisch durch die Einreichung eines deutschsprachigen Kinder- bzw. Jugendbuchs für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Die Einreichfrist beginnt Anfang Juli und endet jährlich Ende September.

Alle deutschsprachigen Originalausgaben der Sparten Kinderbuch und Jugendbuch werden von einer unabhängigen Jury geprüft. Übersetzungen sowie Einreichungen in anderen Sparten finden keine Berücksichtigung. Ausschlaggebend für die Vergabe der Stipendien-Preise ist allein die literarische Qualität der zu prüfenden Kinder- und Jugendbücher. Die Entscheidung für die Stipendiaten fällt unabhängig davon, ob die Autoren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind.


Jury 2021

Der Jury zu den Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien 2021 gehören an: Christine Knödler (Freie Journalistin), Ralf Schweikart (AKJ-Vorsitzender) und Prof. Dr. Karin Vach (Vorsitzende der Kritikerjury 2021).
  
Informationen zum Deutschen Literaturfonds, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird, finden Sie unter www.deutscher-literaturfonds.de 

Die Stipendiatinnen 2021

Ayse Bosse
© Nina Stiller / Carlsen

Ayşe Bosse

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium 2021 für ihr Kinderbuch Pembo - Halb und halb macht doppelt glücklich! (Carlsen)

Ayşe Bosse arbeitet als Autorin, Schauspielerin und Trauerbegleiterin. Sie wuchs in einer türkisch-deutschen Familie auf und lebt heute mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Hamburg. Pembo - Halb und halb macht doppelt glücklich! ist ihr erster Roman für Kinder.

 

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Pembo - Halb und halb macht doppelt glücklich!
Ceylan Beyoğlu (Ill.)
Carlsen Verlag
ISBN: 978-3-551-65039-9
€ 10,00 (D), € 10,50 (A)
272 Seiten

Jurybegründung
Für Horizonterweiterungen sind Perspektivwechsel gut: der Blick von außen. Mit irgendwas zwischen Wut und Kummer schaut Pembo auf Deutschland, MEHR

„das schrecklichste Land der Welt“. Hier soll sie in Zukunft mit ihren Eltern leben, weit weg von ihrer Heimat Türkei. Trotz ist besser als Heimweh. Und so hält Pembo zu Beginn jeden Kapitels dem grauen Hamburg wild entschlossen türkische Wörter samt Übersetzung entgegen. Zähneknirschend lässt sie sich ein auf das Land ihrer Mutter. Erste Verblüffung: Nicht alles ist schrecklich. Folgerichtig werden weitere „typisch!“-Vorurteile auf den Kopf gestellt und entsorgt. Pembo hasst Mädchenkram, Ringen findet sie toll, Ringe: nicht. Haare: kurz, Bauch: vorhanden – na, und? Wer immer noch glaubt, Männer hätten den Durchblick, der muss mal Pembos Baba kennen lernen, den Traumtänzer mit Abo auf Bruchlandung. Und wer denkt, Integration sei eine bierernste Angelegenheit, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Mit dem Zeug zur Culture-Clash-Komödie jagt eine Pleite die nächste Panne bis zum hollywoodreifen Showdown: Halb und halb macht doppelt glücklich. Doppelt „mutlu“. Das ist Horizonterweiterung für alle. Ein vielversprechendes Debüt.

Franz Orghandl
© Theresa Strozyk / Klett Kinderbuch

Franz Orghandl

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteraturstipendium 2021 für ihr Kinderbuch Der Katze ist es ganz egal (Klett Kinderbuch)
 

Franz Orghandl wurde 1980 in Wien geboren und verbrachte ihre Kindheit zwischen dem 5. Bezirk, der grünen Steiermark und dem südlichsten Zipfel Italiens. Sie arbeitet als Autorin und Übersetzerin.

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Der Katze ist es ganz egal
Theresa Strozyk (Ill.)
Klett Kinderbuch Verlag
ISBN: 978-3-95470-231-2
€ 13,00 (D), € 13,40 (A)
104 Seiten

Jurybegründung
Leo heißt jetzt Jennifer. Sie möchte nicht nur den Namen ändern: Jennifer ist ein Mädchen. Die Erwachsenen kommen nicht mit. Papa poltert, Mama bemüht sich, MEHR

Oma und Opa verstehen nur Bahnhof. Macht nix: Es ist schließlich nie zu spät, um noch dazuzulernen. Und nicht vergessen: Der Katze ist es ganz egal. Identität ist kein Trend. Identität ist kein Kinderspiel. Umso bemerkenswerter ist, mit welch radikaler Selbstverständlichkeit und umstandsloser Souveränität Franz Orghandl sich nicht nur des aktuellen Themas Transgender annimmt, sondern darüber hinausgeht: Glaubhaft, voller Witz und Wärme, voller Wien, voller Schmäh, liegen Stadt- und Selbsterkundung um die Ecke. Dass es eine Frau mit Pimmel gibt, Jennifers Freundin sich gern einen Bart ins Gesicht klebt und Leo ein Mädchen ist, wird nicht in Frage gestellt. Es ist, wie es ist. Das ist gendergerecht, weil es mit Rollen und Normen jongliert, es ist transgendergerecht, weil es Grenzüberschreitung vormacht, aber nicht zum alleinigen Maßstab erhebt. Es ist kindgerecht, weil es Kindern ihre Unvoreingenommenheit lässt, und es ist kinderbuchgerecht, weil es Leser*innen ernst nimmt und zugleich unterhält. Ein umwerfendes Debüt.

Sarah Jäger
© Anna-Lisa Konrad / Rowohlt rotfuchs

Sarah Jäger

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium 2021 für ihr Romandebüt Nach vorn, nach Süden (Rowohlt rotfuchs)
 

Sarah Jäger lebt im Ruhrgebiet. Sie ist IHK-zertifizierte Call-Center-Agentin, ausgebildete Theaterpädagogin und umgeschulte Buchhändlerin. Nach vorn, nach Süden ist ihr erster Roman.

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Nach vorn, nach Süden
Rowohlt rotfuchs
ISBN: 978-3-499-00239-7
€ 18,00 (D), € 18,50 (A)
224 Seiten


Jurybegründung
Wenn eine den Namen Entenarsch verpasst bekommt, sind Flügel gleich mal gestutzt. Aber so ist das auf dem Hinterhof des Penny-Marktes: Der Ton ist rau, trotzdemMEHR

gehören sie zusammen: Marie, Vika, Otto, Can, unser Pavel, Leroy, der Checker. Und Jo. Doch der ist verschwunden. Marie will ihn suchen, Can kommt mit, Entenarsch auch, denn sie ist die Einzige, die ein Auto hat. Und einen Führerschein. Und so beginnt, in der aberwitzigen Hitze eines Ausnahmesommers, ein abgefahrener Roadtrip quer durch die Republik und durch die Geschichten derer vom Hinterhof. Die sind voller Sackgassen und Einbahnstraßen, Anfänge ohne Fortsetzungen, zu früh, zu spät, voller Fehler und Verlust. Doch vor allem treibt sie der unbändige Zug an zu leben: vom unteren Rand mittenrein, nach vorn, nach Süden, mit allem, was war und was sein wird. Worte sitzen wie die Namen. Dialoge sind kluge Milieu- und Innenleben-Studien. Was als wohlmeinende Prekariats-, Diversitäts- und Integrations-Geschichte hätte vor die Wand gefahren werden können, besticht durch Ehrlichkeit ohne Sentimentalität: zwischen Schlagabtausch und Versöhnung zum Brüllen, Heulen, Lachen – und zum Losfliegen. Ein herausragendes Debüt.

Verena Kessler
© Michael Bader / Hanser Berlin

Verena Keßler

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium 2021 für ihr Debüt Die Gespenster von Demmin (Hanser Berlin)

Verena Keßler, geboren 1988 in Hamburg, lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. 2018 nahm sie an der Romanwerkstatt Kölner Schmiede teil, 2019 an der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung. Sie war Stipendiatin des 23. Klagenfurter Literaturkurses. Die Gespenster von Demmin ist ihr erster Roman.

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Die Gespenster von Demmin
Hanser Berlin
ISBN: 978-3-446-26784-8
€ 22,00 (D), € 22,70 (A)
240 Seiten


Jurybegründung
Gespenster erzwingen Erinnern, erst recht an einem Ort wie Demmin. Hier fand Ende des Zweiten Weltkriegs der größte Massensuizid der deutschen Geschichte statt. FürMEHR

Larry ist ihre Heimatstadt vor allem eins: langweilig. Sie möchte möglichst schnell erwachsen und dann Kriegsreporterin werden. Bis es so weit ist, schlägt sie sich mit Freundschaftskrise, erster Liebe, Krach mit der alleinerziehenden Mutter und einem Schicksalsschlag in der Familie rum – das volle Programm. Nebenan wohnt Frau Dohlberg. Ihr steht der Umzug ins Seniorenheim bevor. Sie räumt ihr Haus aus und mit ihm ihr Leben. Sie ist eine der letzten Zeitzeuginnen. Eine Überlebende. Im Wechsel zwischen den Perspektiven beginnt eine zweigeteilte Spurensuche, die zur brillanten Engführung zwischen den Generationen, zwischen jüngster Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird. (K)ein Jugendroman, ist ein Kunstgriff unter vielen, dass Larry und die alte Dame so herzlich wenig voneinander wissen. Denn erzählt wird, was ist, und nicht, was hätte sein können, sein sollen: Die Geschichte einer Frau Dohlberg hat bis heute kaum interessiert. Jetzt ist sie wieder in der Welt. Ein Ende, ein Anfang. Ein unvergessliches Debüt.

Video-Präsentation der diesjährigen Stipendiatinnen

 

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur und der Deutsche Literaturfonds präsentieren die diesjährigen Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendiatinnen. 

Die glücklichen Gewinnerinnen der Kinderliteratur-Stipendien sind Ayşe Bosse und Franz Orghandl. Sarah Jäger und Verena Keßler erhalten die beiden Jugendliteratur-Stipendien. Im Video sprechen sie mit den Juroren Christine Knödler, Ralf Schweikart und Prof. Dr. Karin Vach über ihre ausgezeichneten Werke.

Rundfunkbeitrag im Deutschlandfunk

Ein Gespräch der Journalistin Dina Netz mit Ralf Schweikart (Jurymitglied und AKJ-Vorsitzender) zu den diesjährigen Stipendiat*innen wird am 17.  April 2021 um 16.05 Uhr in der Sendung Bücher für junge Leser im Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Jubiläumsvideo

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