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Siebenstorch

Benno Pludra (Text),
Johannes K. Niedlich (Illustration)


Der Kinderbuchverlag
ISBN: 978-335802029-6
0,00 € (D) , 0,00 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Preisträger 1992, Kategorie: Kinderbuch
Preisträger Kinderbuch

Jurybegründung

Sieben Jahre ist es her, dass die Störche das verlassene Nest auf der Scheune als ihr Zuhause gewählt haben und dass im Jahr darauf Maika geboren wurde. Wieder sind die Störche jetzt aus Afrika zurückgekommen, haben Hochzeit gehalten und drei Eier in ihr Nest gelegt. Schnell aber entdecken Vater, Mutter und Maika, nachdem die kleinen Störche geschlüpft sind, dass etwas nicht stimmt: Einer der jungen Störche ist anders als die anderen: graubraun statt weiß...

von Gefieder, und er will nicht fliegen lernen. Benno Pludra erzählt eine leise, poetische Geschichte in rhythmisch-syntaktischer Sprachkomposition: wie der junge Storch, von seinen Eltern verstoßen, sich an das Mädchen Maika anschließt, sich Haus, Scheune und selbst den Korb des Hundes in der Küche erobert und dennoch an seinem Anderssein fast zugrunde geht. Denn in der Menschenwelt bleibt er so fremd wie unter den Tieren, ein Außenseiter, der Regeln und Erwartungen nicht entspricht und deshalb hier wie dort nicht zu Hause ist. Nur Maika, behütet und geliebt von ihren Eltern, akzeptiert den jungen Storch, ohne Bedingungen zu stellen. Sie entwickelt allerdings auch Besitzansprüche, die so nicht sein dürfen. Auf ihre Art ist Maika eingeengt und unfrei wie ihr Siebenstorch. Der Vater beherrscht sie mit Vernunft und überlegener Liebe, indem er die Ordnung und Logik einer Männerwelt vertritt. Die Mutter, in der weiblichen Sphäre des Hauses, vermittelt zwischen den beiden. Sie ist es aber auch, die Maika vor dem Nachbarjungen Fiepchen Krause und seinem frühreifen Wissen warnt. Benno Pludra erzählt sparsam und konzentriert: an Personen gibt es, außer der kleinen Familie, nur den Nachbarjungen und den Biologen der Tierstation. Die ländliche Welt geht kaum über Haus, Garten und Wiese hinaus. Die Sprache ist sperrig, stilisiert, dabei häufig von leuchtender Ausdruckskraft, hämmernd, bildhaft genau. Die Sätze sind in kurzen Sinneinheiten auf Halbzeilen gedruckt. Pludras Erzählung könnte traurig und resignativ sein - der Storch als Kuriosum für die Biologen; Maika wieder allein mit den dominierenden Eltern -, wenn da nicht das Ende wäre: „in der ruhigsten Nacht" entdeckt Maika ihren Siebenstorch in ihrem Garten. Ist er gekommen, um Abschied zu nehmen? Hat er sich, endlich fliegend, aus seinem Käfig befreit? Und Maika - hat sie ihm diese Freiheit gewünscht, die ihn von ihr trennt? Hat auch sie ein Stück Freiheit gewonnen, indem sie ihn fortfliegen lässt, den langen, weiten Weg nach Afrika? Pludra beantwortet diese Fragen nicht. Klar ist aber, dass er keine realistische Tiererzählung geschrieben hat, etwa zum Thema „Rettet die Störche!". Klar ist, dass die Erzählung als Metapher verstanden werden kann und muss, als vielschichtiger Versuch, sich den Fragen nach Freiheit, Anpassung und Unterdrückung, nach Individualität und Selbständigkeit anzunähern, und dass sie darin auch eine politische Dimension besitzt. Unterstützt durch Johannes K.G. Niedlichs wie ziseliert wirkende Zeichnungen, ist ein lyrisch-poetisches Buch entstanden, das von Fremdsein und Gebundenheit in einer äußerlich idyllischen Umgebung erzählt, aus der es - hoffentlich nicht nur im Traum! - auszubrechen gilt.

Sieben Jahre ist es her, dass die Störche das verlassene Nest auf der Scheune als ihr Zuhause gewählt haben und dass im Jahr darauf Maika geboren wurde. Wieder sind die Störche jetzt aus Afrika zurückgekommen, haben Hochzeit gehalten und drei Eier in ihr Nest gelegt. Schnell aber entdecken Vater, Mutter und Maika, nachdem die kleinen Störche geschlüpft sind, dass etwas nicht stimmt: Einer der jungen Störche ist anders als die anderen: graubraun statt weiß von Gefieder, und er will nicht fliegen lernen. Benno Pludra erzählt eine leise, poetische Geschichte in rhythmisch-syntaktischer Sprachkomposition: wie der junge Storch, von seinen Eltern verstoßen, sich an das Mädchen Maika anschließt, sich Haus, Scheune und selbst den Korb des Hundes in der Küche erobert und dennoch an seinem Anderssein fast zugrunde geht. Denn in der Menschenwelt bleibt er so fremd wie unter den Tieren, ein Außenseiter, der Regeln und Erwartungen nicht entspricht und deshalb hier wie dort nicht zu Hause ist. Nur Maika, behütet und geliebt von ihren Eltern, akzeptiert den jungen Storch, ohne Bedingungen zu stellen. Sie entwickelt allerdings auch Besitzansprüche, die so nicht sein dürfen. Auf ihre Art ist Maika eingeengt und unfrei wie ihr Siebenstorch. Der Vater beherrscht sie mit Vernunft und überlegener Liebe, indem er die Ordnung und Logik einer Männerwelt vertritt. Die Mutter, in der weiblichen Sphäre des Hauses, vermittelt zwischen den beiden. Sie ist es aber auch, die Maika vor dem Nachbarjungen Fiepchen Krause und seinem frühreifen Wissen warnt. Benno Pludra erzählt sparsam und konzentriert: an Personen gibt es, außer der kleinen Familie, nur den Nachbarjungen und den Biologen der Tierstation. Die ländliche Welt geht kaum über Haus, Garten und Wiese hinaus. Die Sprache ist sperrig, stilisiert, dabei häufig von leuchtender Ausdruckskraft, hämmernd, bildhaft genau. Die Sätze sind in kurzen Sinneinheiten auf Halbzeilen gedruckt. Pludras Erzählung könnte traurig und resignativ sein - der Storch als Kuriosum für die Biologen; Maika wieder allein mit den dominierenden Eltern -, wenn da nicht das Ende wäre: „in der ruhigsten Nacht" entdeckt Maika ihren Siebenstorch in ihrem Garten. Ist er gekommen, um Abschied zu nehmen? Hat er sich, endlich fliegend, aus seinem Käfig befreit? Und Maika - hat sie ihm diese Freiheit gewünscht, die ihn von ihr trennt? Hat auch sie ein Stück Freiheit gewonnen, indem sie ihn fortfliegen lässt, den langen, weiten Weg nach Afrika? Pludra beantwortet diese Fragen nicht. Klar ist aber, dass er keine realistische Tiererzählung geschrieben hat, etwa zum Thema „Rettet die Störche!". Klar ist, dass die Erzählung als Metapher verstanden werden kann und muss, als vielschichtiger Versuch, sich den Fragen nach Freiheit, Anpassung und Unterdrückung, nach Individualität und Selbständigkeit anzunähern, und dass sie darin auch eine politische Dimension besitzt. Unterstützt durch Johannes K.G. Niedlichs wie ziseliert wirkende Zeichnungen, ist ein lyrisch-poetisches Buch entstanden, das von Fremdsein und Gebundenheit in einer äußerlich idyllischen Umgebung erzählt, aus der es - hoffentlich nicht nur im Traum! - auszubrechen gilt.

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Personen

Autor

1925 in Mückenberg/Niederlausitz geboren, stammte aus einer Arbeiterfamilie. Nach den Stationen Handelsmarine (1942) und einem Kurs als Neulehrer (1946) studierte er in Halle und Ost-Berlin mehrere Semester Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Von 1950 bis 1952 war Pludra Redakteur der Rundfunkzeitung in Ost-Berlin. 1951 beteiligte er sich am 2. Preisausschreiben zur Förderung der sozialistischen Kinderliteratur, das vom Ministerium für Volksbildung veranstaltet wurde. Sein Wettbewerbsbeitrag, die Erzählung Ein Mädchen, fünf Jungen und sechs Traktoren war zugleich seine erste Buchpublikation auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Pludra hat über 40 Kinder- und Jugendbücher verfasst. Für sein kinder- und jugendliterarisches Schaffen wurde er in der DDR mehrfach ausgezeichnet; u.a. erhielt er 1966 den Nationalpreis für Kunst und Literatur. Nach der Wende wurde seine Erzählung Siebenstorch 1992 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch ausgezeichnet. Am 27. August 2014 ist Benno Pludra in Potsdam verstorben.

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