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Kariuki und sein weißer Freund

Eine Erzählung aus Kenia

Meja Mwangi (Text),
Helmi Martini-Honus (Übersetzung),
Jürgen Martini (Übersetzung)


Lamuv Verlag
ISBN: 978-388977262-6
0,00 € (D) , 0,00 € (A)
Originalsprache: Englisch
Preisträger 1992, Kategorie: Jugendbuch
Preisträger Jugendbuch

Jurybegründung

„Friede war etwas, wovon wir nur träumen konnten." Ungerechtigkeiten und brutale Gewalt gehören während der Unabhängigkeitskämpfe in Kenia für einen Dorfjungen zur Tagesordnung, so daß der 13-jährige Kariuki nicht darüber nachdenkt. Erst als er sich trotz ausdrücklicher Verbote mit Nigel, dem Enkel des britischen Farmherrn, anfreundet, kommen Zweifel an der strengen Rangordnung in Dorf und Kirche auf. Obgleich Kariuki dank Nigel nicht mehr glaubt, dass die Weißen Verwandte der Heiligen sind und...

mit ihren hellen Augen wie Katzen sehen oder in andere Köpfe gucken können, beherrscht Angst in allen Schattierungen seinen Alltag: Angst vor den Kopfnüssen des Vaters, Angst vor den Links-Rechts-Kombinationen des Bruders Hari, Angst vor den Züchtigungen und Bandenprügeleien in der Schule. Am schlimmsten sind Demütigungen und Strafen des Farmbesitzers, der weiße Soldaten zu Hilfe ruft gegen die Mau-Mau-Freiheitskämpfer. Diese Leute des Waldes, zu denen auch Hari zählt, verunsichern die urwüchsige Waldumgebung, in der sich Kariuki bis dahin furchtlos geborgen fühlte, was in faszinierenden Stimmungsbildern nachempfindbar wird. Seine unbefangene Naturbegeisterung, die der englische Freund allzu gern bei den gemeinsamen Streifzügen durch Dschungel und Savanne teilt, wird durch die wilden Männer mit dem Büffelgeruch gestört. Als Nigel bei der spannenden Jagd auf das Warzenschwein „Old Moses" von ihnen gekidnappt wird, gerät Kariuki in Panik; für den Freund riskiert er sein Leben. Hari befreit beide, schafft aber selbst nicht die Flucht vor den Soldaten. Durch seinen Tod zerbricht etwas in Kariuki: „Ich hatte keine Angst mehr vor ihnen. Tiefer konnten sie mich nicht treffen." Die mit dem politischen Ausnahmezustand verbundenen Probleme sind eingängig, aber auch differenziert dargestellt, so dass Schuldfragen keineswegs eindeutig zu beantworten sind. Nigels Versuch, Kariuki zu trösten - „...wenn ich einen Bruder hätte, würde ich ihn dir geben"- wirkt rührend nur auf den ersten Blick. Resonant bleibt die Frage, ob dreißig Jahre später die Bedingungen so sind, dass Weiße und Schwarze Brüder sein können. In knapp skizzierten Dialog- und Verhaltensmustern wird erfahrbar, wie beide Jungen, die von der Welt des anderen so gut wie nichts wissen, sich viel zu geben vermögen, weil sie einander vorbehaltlos begegnen und interessiert voneinander lernen. Aus ihren vielen Missverständnissen entspringt bei allem Ernst der Situation eine Menge Lesespaß. Indem der Ich-Erzähler seine Wahrnehmungen und Empfindungen von damals aus heutiger Sicht bündig und filmgenau zur Sprache bringt, gelingt ein kleines gemeinsames Vielfaches, das für afrikanische ebenso wie für andere Jugendliche nacherlebbar wird. Schlicht anschauliche Erlebnismomente verdichten sich zu Grunderfahrungen, übertragbar auf ähnliche Problemzusammenhänge. Diese Freundschaftsgeschichte, die in der Sprache der ehemaligen Kolonialherren erzählt und nur mit einigen Suaheli-Schlüsselwörtern durchsetzt ist, verweist dennoch authentisch auf die Notwendigkeit friedlicher Annäherung und Verständigung zwischen fremden Lebenswelten.

„Friede war etwas, wovon wir nur träumen konnten." Ungerechtigkeiten und brutale Gewalt gehören während der Unabhängigkeitskämpfe in Kenia für einen Dorfjungen zur Tagesordnung, so daß der 13-jährige Kariuki nicht darüber nachdenkt. Erst als er sich trotz ausdrücklicher Verbote mit Nigel, dem Enkel des britischen Farmherrn, anfreundet, kommen Zweifel an der strengen Rangordnung in Dorf und Kirche auf. Obgleich Kariuki dank Nigel nicht mehr glaubt, dass die Weißen Verwandte der Heiligen sind und mit ihren hellen Augen wie Katzen sehen oder in andere Köpfe gucken können, beherrscht Angst in allen Schattierungen seinen Alltag: Angst vor den Kopfnüssen des Vaters, Angst vor den Links-Rechts-Kombinationen des Bruders Hari, Angst vor den Züchtigungen und Bandenprügeleien in der Schule. Am schlimmsten sind Demütigungen und Strafen des Farmbesitzers, der weiße Soldaten zu Hilfe ruft gegen die Mau-Mau-Freiheitskämpfer. Diese Leute des Waldes, zu denen auch Hari zählt, verunsichern die urwüchsige Waldumgebung, in der sich Kariuki bis dahin furchtlos geborgen fühlte, was in faszinierenden Stimmungsbildern nachempfindbar wird. Seine unbefangene Naturbegeisterung, die der englische Freund allzu gern bei den gemeinsamen Streifzügen durch Dschungel und Savanne teilt, wird durch die wilden Männer mit dem Büffelgeruch gestört. Als Nigel bei der spannenden Jagd auf das Warzenschwein „Old Moses" von ihnen gekidnappt wird, gerät Kariuki in Panik; für den Freund riskiert er sein Leben. Hari befreit beide, schafft aber selbst nicht die Flucht vor den Soldaten. Durch seinen Tod zerbricht etwas in Kariuki: „Ich hatte keine Angst mehr vor ihnen. Tiefer konnten sie mich nicht treffen." Die mit dem politischen Ausnahmezustand verbundenen Probleme sind eingängig, aber auch differenziert dargestellt, so dass Schuldfragen keineswegs eindeutig zu beantworten sind. Nigels Versuch, Kariuki zu trösten - „...wenn ich einen Bruder hätte, würde ich ihn dir geben"- wirkt rührend nur auf den ersten Blick. Resonant bleibt die Frage, ob dreißig Jahre später die Bedingungen so sind, dass Weiße und Schwarze Brüder sein können. In knapp skizzierten Dialog- und Verhaltensmustern wird erfahrbar, wie beide Jungen, die von der Welt des anderen so gut wie nichts wissen, sich viel zu geben vermögen, weil sie einander vorbehaltlos begegnen und interessiert voneinander lernen. Aus ihren vielen Missverständnissen entspringt bei allem Ernst der Situation eine Menge Lesespaß. Indem der Ich-Erzähler seine Wahrnehmungen und Empfindungen von damals aus heutiger Sicht bündig und filmgenau zur Sprache bringt, gelingt ein kleines gemeinsames Vielfaches, das für afrikanische ebenso wie für andere Jugendliche nacherlebbar wird. Schlicht anschauliche Erlebnismomente verdichten sich zu Grunderfahrungen, übertragbar auf ähnliche Problemzusammenhänge. Diese Freundschaftsgeschichte, die in der Sprache der ehemaligen Kolonialherren erzählt und nur mit einigen Suaheli-Schlüsselwörtern durchsetzt ist, verweist dennoch authentisch auf die Notwendigkeit friedlicher Annäherung und Verständigung zwischen fremden Lebenswelten.

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