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Cancel Literature

Alte und neue Grenzen des Darstellbaren

19. bis 21. November 2021
Katholisch-Soziales Institut Siegburg
 
Vor dem Hintergrund der Pandemie behalten wir uns die Möglichkeit vor, die Teilnehmerzahl nachträglich zu begrenzen bzw. das Seminar vollständig in den digitalen Raum zu verlegen. Im Tagungshaus gilt die 3G-Regel.
 
Es sind noch einige wenige Einzelzimmer-Plätze frei.

 

ZUM SEMINAR

„Wie frei ist die Kunst?“, fragt Hanno Rauterberg in seinem gleichnamigen Essay. Denn obschon Kunstfreiheit hierzulande ein Grundrecht ist, musste 2018 etwa ein Gomringer-Gedicht auf einer Uni-Fassade übermalt werden.

Mit Hinblick auf ihre Zielgruppe ist der Kinder- und Jugendliteratur die Debatte rund um die Grenzen des Darstellbaren seit jeher geradezu eingeschrieben: Was ist zumutbar, was gesellschaftlich akzeptiert, was politisch korrekt? Manchmal ringt die Kinder- und Jugendliteratur auch mit der Vergangenheit: Kindheitsbilder und Erziehungsideale verändern sich ebenso wie die Sprache, und so mögen ältere Texte heute mindestens überholt, vielleicht sogar rassistisch oder sexistisch anmuten.

Das Seminar gibt einen Überblick über den aktuellen Diskussionsstand, zeigt Konfliktpotenziale auf und bietet Raum für unterschiedliche Positionen. Gleichzeitig geht es um die Frage: Welche gesellschaftlichen Kräfte beeinflussen die Entstehung von Büchern, und ist das ein Fortschritt, ein Rückschritt, ein Stück weit Pluralisierung?

PROGRAMM

Freitag, 19. November 2021

POLITICAL CORRECTNESS UND RASSISMUS

Anreise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis 14.30 Uhr

14.30 UHR KAFFEE UND KENNENLERNEN

15.00 UHR RALF SCHWEIKART
Darf man noch sagen, was man sagen sollte?

Begrüßung und Einstimmung

15.30 UHR DR. MICHAEL SCHMITT
Moralisches Rüstzeug oder utopisches Potenzial
?
Michael Endes Jim Knopf als Wegmarke der Kinderliteratur und als Ziel heftiger Kritik 

16.30 UHR JOSEPH KEBE-NGUEMA
Falsche Debatte?

Rassistische Wörter in Kinderbuchklassikern

17.15 UHR CHANTAL-FLEUR SANDJON
Represent!

Zur Relevanz diversitätsgerechter Kinder- und Jugendliteratur

18.00 UHR ABENDESSEN

19.30 UHR ANDREA KARIMÉ
Sterne im Kopf
– Schreiben mit der ARA-Bärin
Lesung und Gespräch zu biografischer Diversität
Moderation: Doris Breitmoser

 

Samstag, 20. November 2021

DIVERSITÄT, GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT UND TABUS

8.00 UHR FRÜHSTÜCK

9.00 UHR PROF. DR. NIKOLA ROßBACH
Wie frei ist die Kinder- und Jugendliteratur?

Formelle und informelle Diskursnormierungen

9.45 UHR ILONA EINWOHLT
Kein Sex ist auch keine Lösung

Es braucht einen zeitgemäßen und gendergerechten Umgang mit Sexualität

10.45 UHR KAFFEEPAUSE

11.15 UHR DR. BEATE LAUDENBERG
Noch mehr Tabus

Was und wie dürfen literarische Figuren schreiben?

12.00 UHR MITTAGESSEN

13.00 UHR PRÄSENTATION DER WORKSHOPS

1 ILONA EINWOHLT
Rollenstereotype im Kinderzimmer

Es scheint so, als ob sich Spielzeug, Bücher, Medienheldinnen und -helden gerade aus der Rosa-Hellblau-Falle befreien und Gendermarketing zum No-Go wird. Dennoch gibt es jede Menge mediale Vorbilder, deren Superkräfte nach wie vor bestimmten Geschlechterrollen zugeordnet werden. Schauen wir hinter die Kulissen und prüfen anhand ausgewählter Beispiele, wie bereits im Kinderzimmer rollenspezifische Verhaltensmuster aufgestempelt und eingeübt werden. Mit welchen Körperbildern wachsen Jungs und Mädchen auf? Wie ist der Weg von Conni zu Bibis Beauty-Palace bzw. von Baggerführer Berti zu Julien Bam? Und lesen Jungs wirklich anders als Mädchen? Fragen über Fragen zum Diskutieren und Antworten finden.

2 JOSEPH KEBE-NGUEMA
Political Correctness in der Textarbeit

Auffällig bei der Kinderbuchdebatte ist die Marginalisierung afrodeutscher bzw. afroösterreichischer Stimmen. Ihnen, wie auch Angehörigen anderer Minderheiten wie Sinti und Roma, wird kaum Beachtung geschenkt. Die Gründe, die zu dieser Marginalisierung beitragen, sollen kurz untersucht werden, bevor die Anwendung rassistischer Begriffe in Kinder- und Jugendbüchern in den Fokus genommen wird. Gemeinsam analysieren wir, welchen Einfluss diese Begriffe auf die Handlung haben. Außerdem soll das Verhältnis zwischen rassifizierten Begriffen und vorurteilsbeladenen Konstruktionen in ausgewählten Werken untersucht werden. Und wir diskutieren, in welchen Fällen die Ersetzung diskriminierender Begriffe von Interesse wären.

3 JOHANNA JÖHNCK
Klassismus im Kinderbuch?

Die Buchreihe Mein Lotta-Leben von Alice Pantermüller und Daniela Kohl soll exemplarisch für eine gemeinsame Recherche genutzt werden: Welche Rolle spielen Armut, Verwahrlosung oder auch Selbstreferenzialität von Erwachsenen für humorige Momente im Kinderbuch? Welche Funktion haben die Schwestern Cheyenne und Chantal für die Konstruktion einer bürgerlichen Welt rund um Lotta? Und wie rezipieren Kinder diese Lebenswelten – vor allem dann, wenn sie selbst von Klassismus betroffen sind? Im Rahmen des Workshops werden Optionen entwickelt, diese Fragen auch im Unterricht oder anderen Formaten mit Kindern und Jugendlichen zu behandeln.

4 CHANTAL-FLEUR SANDJON
Medienbestände vorurteilsbewusster gestalten

Eine vorurteilsbewusste Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Titelangebot erlaubt es, Leerstellen in der Repräsentation gesellschaftlicher Vielfalt zu ermitteln. Darauf aufbauend werden im Workshop Wege aufgezeigt, um diese Lücken zu schließen und geeignete Titel zu finden. Gemeinsam werden Methoden erarbeitet und kennengelernt, um mit den Medien die jeweilige Zielgruppe zu erreichen, sie zu sensibilisieren und/oder empowern. Die Inhalte des Workshops eignen sich für die Arbeit in der Schule ebenso wie in der Bibliothek oder der freien Leseförderung.

13.30 UHR WORKSHOPS (KAFFEEPAUSE UM 15.00 UHR)

16.30 UHR WAS NEHMEN WIR MIT?
Präsentation der Ergebnisse im Gespräch
Moderation: Ralf Schweikart

18.00 UHR ABENDESSEN

19.30 UHR ILONA EINWOHLT
Gucken erlauben!

Wenn Themen wie Gender, Feminismus und Sexismus "gecancelt" werden
Moderation: Ralf Schweikart

 

Sonntag, 21. November 2021

PRODUKTON UND REZEPTION

8.00 UHR FRÜHSTÜCK

9.00 UHR MONIKA OSBERGHAUS
Der Wunsch nach einer heilen Welt

Welche Erwartungen Kunden an Verlage stellen

9.45 UHR KATRIN HOGREBE
Kinderbuchverlage im Shitstorm

Verlagskommunikation im Spannungsfeld aktueller Diskussionen

10.30 UHR LEILA MAKTABI FARD
Wir und unsere Adressaten

Erfolgt eine Zensur durch Multiplikatoren? Lesen Kinder und Jugendliche, was wir ihnen empfehlen?

11.15 UHR KATRIN HOGREBE, LEILA MAKTABI FARD UND MONIKA OSBERGHAUS
Wer cancelt wen? Was darf die Kinder- und Jugendliteratur?

Diskussion mit dem Plenum
Moderation: Ralf Schweikart

11.45 UHR RALF SCHWEIKART
Was gesagt und auch gehört werden muss

Resümee und Abschluss

12.00 UHR MITTAGESSEN

13.00 UHR ABREISE

 

MITWIRKENDE

DORIS BREITMOSER
München; die Kulturwirtin ist Geschäftsführerin beim Arbeitskreis für Jugendliteratur.

Ilona Einwohlt
Darmstadt; die Autorin studierte in Frankfurt / Main und Granada Hispanistik, Germanistik und Kinder- und Jugendliteratur. Zu ihren Kernthemen gehören Mädchenliteratur und Feminismus sowie Digitales Lesen.

Katrin Hogrebe
Hamburg; sie leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Carlsen Verlags.

Johanna Jöhnck
Hamburg; die Lehrerin für die Fächer Deutsch, „Politik, Gesellschaft und Wirtschaft“ sowie Theater an einer Stadtteilschule in Hamburg engagiert sich für die Leseförderung und ist Multiplikatorin für sprachsensiblen Fachunterricht.

ANDREA KARIMÉ
Köln; aufgewachsen in einem libanesisch-deutschen Haushalt, arbeitete sie zwölf Jahre als Grundschullehrerin bevor sie freie Kinderbuchautorin wurde. Ihr Werk wurde u.a. mit dem Kinderbuchpreis des Landes NRW ausgezeichnet.

Joseph Kebe-Nguema
Paris; seit 2019 promoviert er an der Sorbonne Université sowie der Eberhard Karls Universität Tübingen zum Thema „Die Mauer in den Köpfen?“ zur Konstruktion des Schwarzseins in der Kinder- und Jugendliteratur der beiden deutschen Staaten von 1949 bis 1989.

Dr. Beate Laudenberg
Karlsruhe; die Literaturwissenschaftlerin und -didaktikerin lehrt am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen die inter- bzw. transkulturelle Kinder- und Jugendliteratur sowie die literarische Bildung.

Leila Maktabi Fard
München; die Bibliothekswissenschaftlerin zog 2014 vom Iran nach Deutschland und arbeitet seitdem als Lektorin für die persische Abteilung in der Internationalen Jugendbibliothek sowie als Kinder- und Jugendbibliothekarin in der Stadtbibliothek München.

Monika Osberghaus
Leipzig; die gelernte Buchhändlerin studierte Kinderliteratur und betreute jahrelang die Kinderbuchseiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Heute ist sie die Verlegerin von Klett Kinderbuch.

PROF. DR. Nikola RoSSbach
Kassel; die Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Kassel arbeitet zur Literatur-, Kultur- und Wissensgeschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Moderne. Ein Schwerpunkt ist die Kontrolle und Normierung literarischen Wissens (Achtung Zensur! Über Meinungsfreiheit und ihre Grenzen, Ullstein 2018).

Chantal-Fleur Sandjon
Berlin; die afrodeutsche Autorin, Kommunikationswissenschaftlerin und Diversity-Trainerin ist die Co-Leiterin des Projekts DRIN zu Diversität in der Kinderliteratur des Goethe-Instituts Finnland.

Dr. Michael Schmitt
Wiesbaden; seit 1993 arbeitet er als Literaturredakteur beim Kulturkanal 3sat und zwischen 2003 und 2008 auch für die ZDF-Literatursendung Lesen mit Elke Heidenreich. Einer seiner Schwerpunkte ist die Kinder- und Jugendliteratur.

Ralf Schweikart
Hofheim; der Germanist mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur arbeitet nach Tägigkeiten als Journalist und Lektor heute als Redakteur. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises für Jugendliteratur.

 

 
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