Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2014

für Sarah Michaela Orlovský und Stefanie de Velasco

Der Deutsche Literaturfonds und der Arbeitskreis für Jugendliteratur vergaben am 13. März 2014 auf der Leipziger Buchmesse zum fünften Mal die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien. Die Preise gingen in diesem Jahr an die Österreicherin Sarah Michaela Orlovský für ihr Buch Tomaten mögen keinen Regen (Wiener Dom-Verlag) und an die deutsche Autorin Stefanie de Velasco für ihr Debüt Tigermilch (Kiepenheuer & Witsch).

Aus der Jurybegründung:
 
"Mit dem Blick eines 13-jährigen Jungen schildert Sarah Michaela Orlovský in Tomaten mögen keinen Regen das Zusammenleben einer kleinen Gruppe von behinderten Kindern und Jugendlichen, die von zwei Ordensschwestern betreut werden. Doch sie erzählt nicht von Pflegedienst und Krankheit, sondern von einem selbstverständlichen Miteinander im Alltag, von Schwächen und Stärken aller Figuren, von Freundschaften und Animositäten, von Aggressionen und Bedürfnissen, vor allem aber: von ihrer Vitalität. Ihr Erzähler ist ein Junge wie ein Pulverfass, ein unzuverlässiger Zeuge – aber auch einer mit sehr differenzierter Wahrnehmung für alles in seiner Umgebung: für die kleinen Gesten, mit denen Erwachsene hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche tief verunsichern können; für die eigenen Empfindlichkeiten, die seinen Blick auf die Außenwelt prägen."
  
Tigermilch  
"'Wenn man anfängt, über die eigene Kindheit nachzudenken, dann ist sie vorbei' – davon erzählt Stefanie de Velasco in ihrem Debütroman Tigermilch. Im Mittelpunkt: zwei 14-jährige Mädchen zwischen kindlicher Regression, pubertären Allmachtsphantasien und Selbstzerstörung. Eine Pikareske, kein sozialrealistischer Problemroman. Der Duktus der Ich-Erzählerin ist nicht bildungsbürgerlich gepflegt. Dafür sind beide Heldinnen mit einem guten Gespür für die sprachlichen Posen der Erwachsenen ausgestattet und gewappnet mit einem ganzen Arsenal sprachlicher Überlebensstrategien zwischen Nonsens und Provokation. Stefanie de Velasco lässt wenig von dem aus, was uns derzeit ständig als Schlagzeilen über schwierige Milieus erreicht, aber sie prangert nichts an, sondern benutzt diese bekannten Versatzstücke als Requisiten für ein gekonntes Spiel mit den Erwartungshaltungen des Lesers."
 
Beide Autorinnen erhalten ein jeweils sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 Euro.
 
Eine unabhängige Jury wählte die beiden Stipendiatinnen anhand der Einreichungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 aus. Der Jury für die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien gehörten Dr. Stephanie Jentgens (Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur), PD Dr. Gina Weinkauff (Vorsitzende der Kritikerjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2014) und Dr. Michael Schmitt (3sat/Kulturzeit) an.
 
Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendiatinnen 2014
 
Sarah Michaela Orlovský  
Sarah Michaela Orlovský (© Orlovsky/orlosa.wordpress.com), Jahrgang 1984, ist in Oberösterreich geboren und gebildet worden. Sie hat ihr Notizbuch an der Uni Wien sowie in Zambia, Armenien, Äthiopien, der Slowakei und Ruanda gefüllt. Seit Neuestem erprobt sie die Eigenheiten des sesshaften Lebens in Vöcklabruck/Österreich. Dort geht sie zum Arbeiten ins Jugendzentrum und zum Nachdenken in den Wald.
 
     
Stefanie de Velasc  
Stefanie de Velasco (© Joachim Gern), geboren 1978 in Oberhausen, studierte Europäische Ethnologie und Politikwissenschaft in Bonn, Berlin und Warschau. 2011 erhielt sie für den Anfang ihres Debütromans den Literaturpreis Prenzlauer Berg. 2012/13 erhielt sie verschiedene Stipendien, darunter das Stipendium der Drehbuchwerkstatt München und das TranslationLab-Stipendium des Ledig House New York. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
 
     
 
 
 

 

zurück