Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2018

für Manja Präkels und Flurin Jecker

Der Deutsche Literaturfonds und der Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben am 15. März 2018 auf der Leipziger Buchmesse die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2018 . Die Preise gehen an Manja Präkels für ihren Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß (Verbrecher Verlag) und an Flurin Jecker für sein Debüt Lanz (Nagel & Kimche).
 
Jurybegründungen: 
Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß „Manja Präkels schildert die Umbrüche in den Jahren vor und nach der Wende von 1989/90 am Beispiel einer kleinen ostdeutschen Gemeinde nicht weit von Berlin. Pubertät und Erwachsenwerden fallen für ihre Protagonisten mit dem Wandel zusammen und verstärken sich so. Zunächst sieht der Leser eine recht überschaubare kleinstädtische Welt, in die die Umbrüche tief eingreifen, in der Zusammengehörigkeit aber noch gelebt wird. Mit der Auflösung der sozialistischen Gesellschaft und den daraus folgenden Friktionen zerbricht diese Gemeinsamkeit, es entstehen Leerräume, in denen sich ,Glatzen‘ und ,Springerstiefelträger‘ breitmachen und den öffentlichen Raum terrorisieren.
Manja Präkels erzählt davon, aber sie stellt ihr Buch nicht in den Dienst schlichter Thesen. Ihr Roman verwandelt persönliche Erfahrung in die ,dichte Beschreibung‘ der Prozesse in einem sich wandelnden gesellschaftlichen System. Die Erzählerin flieht irgendwann nach Berlin, aber sie verleugnet nie, ihrer Heimatstadt verbunden zu bleiben, deren Einwohner mit Blick auf ihre  Vergangenheit gerne von  bloßen „Jugendsünden“ sprechen.
 
Lanz „Flurin Jeckers 14-jähriger Erzähler betreibt ein vielschichtiges Versteckspiel. Im Rahmen einer Schulprojektwoche soll er ein Blog über ein Thema verfassen, das ihn umtreibt. Da er aber vor niemandem seine Ängste oder Wünsche offenlegen will, schreibt er vor allem für sich selbst, verweigert sich nach außen, im Unterricht, dem Publikum, öffnet sich aber rückhaltlos in einer Art von Gespräch mit sich selbst.
Lanz spielt mit der Form: Aus dem Blog wird ein Blog über das Blogschreiben und über die altersgemäße Kunst, sich selbst unglücklich zu machen. Über das Selbstbild eines Jungen, der sich als ,Nichts‘ fühlt. Über einen Halbwüchsigen, für den jedes Geschehen aufgeladen ist mit Erwartungen, und der, was misslingt, mit dem Wort ,lustig‘ kommentiert, weil er damit vielleicht souveräner wirkt, als er ist.
Flurin Jecker verdichtet in seinem hochamüsanten Debüt regionale und alltagssprachliche Elemente zu einer fingierten Mündlichkeit, die intensiver Ausdruck eines Schwebezustandes ist, bei dem von Moment zu Moment und von Satz zu Satz Schmerz in Freude und Abgeklärtheit in Kindlichkeit umschlagen können.“
 
Die beiden Autoren erhalten jeweils ein sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 Euro.
 
Eine unabhängige Jury wählte die beiden Stipendiaten anhand der deutschsprachigen Einreichungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 aus. Der Jury gehörten Dr. Susanne Helene Becker (Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur), Birgit Müller-Bardorff (Vorsitzende der Kritikerjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis) und Dr. Michael Schmitt (3sat/Kulturzeit) an.
 
Die Vergabe der Stipendien findet am Donnerstag, dem 15. März 2018, um 14.00 Uhr im Saal 1 des Congress Centers der Messe Leipzig statt.
Am Freitag, dem 16. März 2018, um 10.00 Uhr präsentiert Dr. Michael Schmitt die beiden Stipendiaten am 3sat-Messestand (Glashalle).
 
Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2018 - Die Preisträger
Manja Präkels
Manja Präkels (© Nane Diehl), geboren 1974 in Zehdenick, ist Autorin, Musikerin und Sängerin der Band „Der singende Tresen“. Sie lebt in Berlin. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit dem Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste (2005) und einem Aufenthaltsstipendium im Writers House Ventspils, Lettland (2012/13).
   
Flurin Jecker (© Janis Maus Marti), geboren 1990 in Bern/Schweiz, studierte Biologie, bevor er 2013 das Studium des Literarischen Schreibens am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel begann. Nebenher arbeitete er als freier Journalist für die Berner Tageszeitung Der Bund sowie als Velokurier. Jecker gibt Workshops in Kreativem Schreiben und lebt als freier Schriftsteller in Bern.
 
Fotos der Preisträger und Buchcover finden Sie im Pressematerial zum Download.

 

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