Sonderpreis Illustration für Nikolaus Heidelbach
Jurybegründung
Bibliografie
 
Der Sonderpreis zum Deutschen Jugendliteraturpreis wird im jährlichen Wechsel an einen deutschen Autor, Illustrator oder Übersetzer vergeben. In diesem Jahr geht der Preis in Höhe von 20.000 DM an Nikolaus Heidelbach für sein grafisches Gesamtwerk. Mitglieder der Jury waren Dr. Maria Linsmann-Dege, Renate Raecke und Rosmarie Tschirky.
 
Nikolaus Heidelbach wurde 1955 als zweites von insgesamt fünf Kindern geboren. Er studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, und lebt heute als freischaffender Künstler und Autor mit seiner Frau und zwei Kindern in Köln.
 
 

Jurybegründung
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Bibliografie
 
Sonderpreis Illustration
für Nikolaus Heidelbach
 
Nikolaus Heidelbach hat seit etwa 20 Jahren ein umfangreiches illustratorisches Oeuvre im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur geschaffen. Sein Werk umfasst sowohl Bilderbücher mit überwiegend eigenen Texten als auch Illustrationen zu Gedichten von Josef Guggenmos, zu Erzählungen von Franz Hohler oder zu Märchen der Brüder Grimm.
 
Gleich mit seinem ersten Bilderbuch Das Elefantentreffen (1982), das mit dem Oldenburger Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde, hat der Künstler eine Richtung eingeschlagen, der er in seinem gesamten weiteren Werk treu blieb. Wie kaum ein anderer hat er sich – vor allem in seinen eigenen Büchern – mit kindlichen Gefühlen, Wahrnehmungen und Erlebnissen auseinander gesetzt. Ihm gelingt es dabei, aus dem Blickwinkel des Erwachsenen Verhaltensweisen und Bedürfnisse von Kindern in Wort und Bild festzuhalten. Er geht mit scheinbar kindlicher Unbefangenheit und ohne jeglichen pädagogischen Impetus auch an Themen heran, die in der Kinder- und Jugendliteratur eher tabuisiert sind, wie etwa Sexualität, Tod, Eifersucht und Aggression. In allen Bilderbuchgeschichten ist großer Respekt gegenüber kindlicher Individualität und Autonomie spürbar. Immer stehen Menschen im Mittelpunkt seines Schaffens, die er mit psychologischem Einfühlungsvermögen und Verständnis für ihre Schwächen ins Bild setzt.
 
Nikolaus Heidelbach hat eine sehr eigenständige Bildsprache entwickelt, in der sich Einflüsse aus der Kunstgeschichte, etwa aus dem Surrealismus, den Werken von George Grosz oder Fernando Botero mit eigener Bildfindung verbinden. Seine technisch und handwerklich perfekten Arbeiten weisen eine starke malerische Qualität auf. Seine gedämpfte Farbigkeit entspricht dem inhaltlichen, auch von Schattenseiten geprägten Alltag der Kinder; surrealistische Bildelemente verweisen auf die phantastischen und traumhaft-traumatischen Wahrnehmungen seiner Figuren. Auffallend sind der Einfallsreichtum und makabre Humor, mit denen er in seinen Bildern die Texte erweitert und in eine andere Dimension überträgt. Schon ein einzelnes Bild kann bei ihm eine ganze Geschichte erzählen; gestalterisch spannt er den Bogen von diesen Einzelbildern zu szenischen Bilderfolgen bis hin zu subtil und komplex erzählten Bilderbüchern.
 
Unbeeinflusst von Trends und Vorlieben des Buchmarktes verkörpert Heidelbach eine konsequente künstlerische Position innerhalb der deutschen Kinder- und Jugendbuch-Illustration der letzten beiden Jahrzehnte.
 
Die Jury:
Renate Raecke, Pinneberg (Vorsitz)
Dr. Maria Linsmann-Dege, Troisdorf
Rosmarie Tschirky, Zürich
München, im August 2000
 
 

Bibliografie
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Bibliografie
 
zu Nikolaus Heidelbach

Insel der sprechenden Tiere
(Text von Gerhard Mensching, vergriffen), Haffmans

Das Elefantentreffen oder 5 dicke Angeber,
1982, Beltz & Gelberg

Prinz Alfred, 1983 (vergriffen),
Beltz & Gelberg

Eine Nacht mit Wilhelm, 1984,
Beltz & Gelberg

Der Ball oder Ein Nachmittag mit Berti, 1986 (vergriffen),
Beltz & Gelberg

Vorsicht Kinder, 1987 (vergriffen),
Beltz & Gelberg

Pinocchio (erzählt von Christine Nöstlinger), 1988,
Beltz & Gelberg

Oh, Verzeihung sagte die Ameise (Gedichte von Josef Guggenmos), 1990,
Beltz & Gelberg

Albrecht Fafner fast allein, 1992,
Beltz & Gelberg

Was machen die Mädchen?, 1993,
Beltz & Gelberg

Der Aufzug (Text von Paul Maar), 1993,
Beltz & Gelberg

Der Riese und die Erdbeerkonfitüre (Text von Franz Hohler), 2000,
dtv, zuerst erschienen 1993

Kinderparadies, 1994,
Beltz & Gelberg

Märchen der Brüder Grimm, 1995,
Beltz & Gelberg

Mein Gegenteil (Gedichte von Christine Nöstlinger), 1996
(vergriffen), Beltz & Gelberg

Ein Buch für Bruno, 1997,
Beltz & Gelberg

Unterwegs zur Welt, Lehrbuch für den Sachunterricht 1/2, 1998,
Volk und Wissen

Die Spaghettifrau (Text von Franz Hohler), 1998,
Ravensburger Buchverlag

Was machen die Jungs?, 1999,
Beltz & Gelberg

Schloss Draußendrin (Text von David Henry Wilson), 2000,
Beltz & Gelberg

Mit Katz und Hund auf du und du, 2000, Rowohlt

Unterwegs zur Welt, Lehrbuch für den Sachunterricht 3, 2000,
Volk und Wissen


Die ersten Bücher Bilderbogen (1980), Ungeheuer und andere (1981) und Kleiner dicker Totentanz (1984, alle vergriffen) erschienen im DuMont Verlag. Nikolaus Heidelbachs illustrierte Bücher für Erwachsene erscheinen bei Haffmans.